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Österreich: Store-Check der LK Steiermark - Heurige entpuppten sich als ausländische Spätkartoffel

01. Juli 2019

"Wer im heurigen Frühjahr in den österreichischen Supermärkten Heurige kaufen wollte, musste fast detektivische Kenntnisse haben", so Werner Brugner, Direktor der Landwirtschaftskammer (LK) Steiermark.

Bildquelle: Shutterstock.com Kartoffel
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"Heimischen Erzeugern gleiche Preise wie ausländischen zahlen"

"Erstens, um festzustellen, ob es sich bei den ausgelobten Kartoffeln auch tatsächlich um Heurige oder um ausländische Spätkartoffel handelt. Und zweitens, um herauszufinden, woher die Erdäpfel wirklich kommen. Die Store-Checker der LK haben nämlich ausfindig gemacht, dass sich auffällig ausgelobte Heurige immer wieder als ausländische Spätkartoffel entpuppten", so Brugner.

Brugner stellt klar: "Heurige sind dünnschalige und feinschmeckende Erdäpfel der neuen Ernte, aber keinesfalls festschalige Spätkartoffelsorten, selbst wenn Erdäpfel der neuen Ernte gesetzlich bis 10. August als Heurige bezeichnet werden dürfen." Auch die tatsächlichen Herkunftsangaben der ausländischen Waren wurden trickreich verschleiert. Brugner: "Der meist österreichische Abpacker wird in großen Lettern angegeben, während das Herkunftsland klein geschrieben und erst nach längerem Suchen auffindbar ist."

Titschenbacher: Unfaire Geschäftspraktiken abstellen

Dem europäischen Lebensmittelhandel sind ausländische Kartoffel doppelt so viel wert wie heimische Heurige. "Während der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) Anfang Juni für israelische Importkartoffel pro Kilo 90 bis 95 Cent bezahlte, hatten die heimischen Erdäpfel-Produzenten das Nachsehen. Magere 40 Cent werden ihnen trotz nachweislich höherer Produktionsstandards bezahlt", haben die Markt-Checker der LK Steiermark herausgefunden. "Das ist ein Schlag ins Gesicht der heimischen Produzenten und zeigt die unfairen Geschäftspraktiken auf", so LK-Präsident Franz Titschenbacher. Er fordert den Handel auf, "den heimischen Erdäpfelbauern die gleichen Preise zu zahlen wie Anfang Juni den ausländischen Herstellern".

Klimaschädlich und sozial unverträglich: Kartoffel aus Ägypten

Nicht unwesentlich sind auch die langen Transportwege der in den Regalen befindlichen ausländischen Waren. So haben ägyptische Spätkartoffel unglaubliche 4.100 Kilometer auf dem Buckel, während fein-zarte heimische Heurige aus dem Grazer Feld durchschnittlich nur 30 km bis zu den Regalen im Handel zurücklegen. Auch aus sozialer Sicht sind diese Drittstaaten-Importe problematisch: Für die Ägypter selbst sind Erdäpfel kaum leistbar. Ein Kaufkraftvergleich gemäß Big Mac-Index verdeutlicht die Dimension: Gemäß ägyptischen Bedingungen müssten Herr und Frau Österreicher kaufkraftbereinigt für ein Kilo heimische Heurige um 140% mehr zahlen: Statt 1 Euro sollten die Verbraucher dann 2,40 Euro auf den Ladentisch legen müssen. Darüber hinaus sind in Ägypten und Israel die Produktionsstandards deutlich niedriger. Dort sind Pflanzenschutzmittel erlaubt, die hierzulande längst verboten sind.

Store-Check der Landwirtschaftskammer

Die LK Steiermark hat im März, April und Mai den Erdäpfel-Store-Check durchgeführt. Insgesamt wurden 30 Proben namhafter Lebensmittelketten gezogen. 18 Proben stammten aus Österreich, sieben aus Frankreich, drei aus Ägypten und zwei aus Israel.

Zahlen und Fakten

Die Heurigen-Saison ist in der Steiermark voll angelaufen und dauert noch bis 10. August, danach folgt die Speisekartoffel-Saison. Heurige sind feinschmeckende, fast schalenlose Erdäpfel mit kurzer Kochzeit und eine begehrte Delikatesse in der heimischen Küche. Insgesamt kultivieren etwa 100 steirische Erdäpfelbauern auf 400 ha Speiseerdäpfel, davon etwa 100 ha Heurige. Die steirischen Hauptanbaugebiete sind das Grazer Feld, das Aichfeld im Oberen Murtal, Teile des Mürztales sowie einzelne Gebiete im Bezirk Hartberg-Fürstenfeld. Professionell angebaut werden Erdäpfel auch im nördlichen Teil des Bezirkes Weiz, in Liezen sowie teilweise im Bezirk Leibnitz. Erstmals konnte heuer der LEH nicht durchgehend mit österreichischen Erdäpfeln beliefert werden, nachdem Trockenheit, Schädlinge und hohe Aussortierungen die Ernte 2018 erheblich dezimiert hatten. Seit Anfang Mai konnten Kunden nur mehr Importware kaufen.

Quelle: Ots/Landwirtschaftskammer (LK) Steiermark

 

Veröffentlichungsdatum: 01.07.2019

Schlagwörter

Österreich, Store-Check, LK Steiermark, Heurige, ausländische, Spätkartoffel, Studie