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Schweiz: Inakzeptabele Entwicklungen in der Kartoffelbranche

23. Oktober 2014

Die Entwicklungen in der Kartoffelbranche während der letzten Wochen sind aus Sicht der Produzenten inakzeptabel. Sowohl wie aktuell mit den Produzenten verfahren wird, wie auch die Pläne des Handels für die Zukunft können so nicht hingenommen werden. Es zeigt sich deutlich, dass der Handel die Kosten der Expansion der letzten Jahre nun einseitig auf die Produzenten abwälzen will.

Die Kartoffelbranche und die Zusammenarbeit der Akteure wurden über lange Zeit  immer als Musterbeispiel für eine funktionierende Branche genannt. Es scheint, dass  alle Beteiligten von der gegenseitigen Wichtigkeit überzeugt waren und so stets für  Rahmenbedingungen sorgten, die allen eine wirtschaftliche Perspektive ermöglichten. Dieses Einvernehmen wird nun einseitig vom Handel aktiv zerstört.

Die momentane Marktsituation ist gekennzeichnet von grossen Ernten. Dass sich die Preise somit am unteren Preisband bewegen ist die logische Folge. Konsequent weiter gedacht, müsste dies nun auch zu tieferen Preisen an der Ladentheke führen. Im Laden aber seien Kartoffelprodukte nicht merklich günstiger geworden, stellt der Berner Bauernverband fest. Wer profitiert denn nun von den tiefen Preisen?

Es ist auch nicht verständlich, warum die Preise so tief sinken, wenn doch Vertragsmengen zwischen Abnehmer und Produzent vereinbart wurden. Produktionsüberschüsse verbleiben beim Produzenten und kommen nicht auf den Markt, haben so also auch keine preisdrückende Wirkung. Wer hat die Vertragsmengen definiert? Es deutet alles darauf hin, dass der Handel bewusst ein Überangebot in Kauf genommen hat und nun auf dem Buckel der Produzenten davon profitieren will. Fairness in der Branche sieht anders aus.

Der Blick in die Zukunft gibt auch keinen Grund zur Hoffnung, die angekündeten neuen Vertragsbedingungen der fenaco (die Unternehmensgruppe im Besitz der Schweizer Bauern) zeigen deutlich, wo die Reise hinführen soll: Verdrängung der kleineren Produzenten, Auslagerung der Risiken zu den Landwirten und Schaffung von Abhängigkeiten, welche dem Abnehmer eine noch freiere Preisgestaltung ermöglichen soll. Effizienter werden ist wichtig, es bleibt aber schleierhaft, worin dieses neue System da hilfreich sein soll. Bereits heute liefert der Landwirt die Kartoffeln an die Rampe, ob nun 10 mal derselbe Bauer oder 10 mal ein anderer Landwirt die Kartoffeln an die Rampe führt, ist einzig bei der Nachverfolgbarkeit relevant. Auch die Argumentation betreffend Qualität ist mehr als fragwürdig. Interessant in diesem Zusammenhang ist das Verhalten der anderen Händler. Während sie öffentlich das Verhalten der fenaco als schlecht taxieren, arbeiten sie im Hintergrund auf dieselben Ziele hin, so wurde von verschiedenen Produzenten in den letzten Tagen berichtet.

Es ist höchste Zeit, dass die Vernunft wieder Einzug hält in der Kartoffelbranche und die Akteure wieder im gegenseitigen Respekt als echte Verhandlungspartner an einen Tisch sitzen. Die LOBAG ruft den Handel eindringlich dazu auf, im gemeinsamen Gespräch tragfähige Lösungen im Sinne aller für die Zukunft zu erarbeiten. 


Quelle: LOBAG

Veröffentlichungsdatum: 23.10.2014

Schlagwörter

Schweiz, Inakzeptabel, Kartoffelbranche