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Schweiz: Gemüsebautagung 2015 - Gemüsebau im Spannungsfeld zwischen Konsum und Umwelt

03. September 2015

Gemüse in hoher Qualität und ohne Spuren von Schädlingen und Pflanzenkrankheiten in den Verkaufsregalen vorzufinden ist für viele Konsumentinnen und Konsumenten selbstverständlich. Ein wirksamer Pflanzenschutz ist daher im professionellen Gemüsebau entscheidend für den Erfolg der Produkte. Die Forschenden von Agroscope entwickeln umweltschonende Pflanzenschutzstrategien im Gemüsebau, die so weit wie möglich auf vorbeugenden, nicht-chemischen Massnahmen beruhen. Anlässlich des Wädenswiler Gemüsebau-tages am 2. September erhält die Gemüsebranche einen Einblick in die aktuell laufenden Arbeiten der Gemüsebauforschung von Agroscope.

Foto: Agroscope
Pilzgeflecht des Antagonisten Trichoderma harzianum. Foto: Agroscope

Blattläuse im Salat oder Schmetterlingsraupen im Blumenkohl sind selbst für eingefleischte Gemüseliebhaberinnen und -liebhaber nicht gerade appetitanregend. Gemäss der aktuellen Qualitätsbestimmungen ist Gemüse, das einen Befall durch Krankheiten und Schädlinge aufweist, nicht marktfähig. Bereits ein geringfügiger Krankheitsoder Schädlingsbefall auf dem Ernteprodukt kommt einem Totalausfall gleich. Im Gemüsebau liegen somit Erfolg und Misserfolg häufig nahe beieinander.

Zur Minderung des Befallsdrucks von Schaderregern haben sich im Gemüsebau vorbeugende Massnahmen wie die Einhaltung einer ausgedehnten Fruchtfolge, die VerPilzgeflecht des Antagonisten Trichoderma harzianum

wendung von gesundem Saat- und Pflanzgut und der Einsatz von Schutznetzen gegen Schädlinge durchgesetzt. Dennoch ist es sowohl im biologischen als auch im integrierten Anbau in vielen Fällen nicht möglich, ohne einen ergänzenden, gezielten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln das vom Markt geforderte Qualitätsniveau zu erreichen.

Begrenzte Möglichkeiten des direkten Pflanzenschutzes

Chemische Pflanzenschutzmittel müssen für den Einsatz in jeder landwirtschaftlichen Kultur separat zugelassen werden. Einer Bewilligung geht eine vertiefte Beurteilung durch Fachexperten hinsichtlich der Entstehung von allfälligen Rückständen auf dem Ernteprodukt und einer möglichen Beeinträchtigung der Umwelt voraus. Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) erteilt nur unbedenklichen Anwendungen „grünes Licht“ in Form einer Anwendungsbewilligung. Der Aufwand für die Prüfung einer neuen Pflanzenschutzanwendung (Indikation) und für die Erarbeitung der erforderlichen Beurteilungsgrundlagen ist hoch und die Kosten dafür müssen zum grössten Teil von den Gesuchstellern, d.h. von der Pflanzenschutzmittelindustrie getragen werden. Für die vielen kleinflächig angebauten Gemüsearten ist der Zulassungsaufwand für die Industrie im Verhältnis zu den mit dem Mittelverkauf erzielbaren Gewinnen zu hoch. Für die Gemüseproduzentinnen und -produzenten hat dies zur Folge, dass ihnen nicht selten gut geeignete Mittel nicht zur Verfügung stehen, was insbesondere bei neu auftretenden Pflanzenkrankheiten wie zum Beispiel dem Falschen Mehltau bei Fenchel fatal sein kann. Diese Pilzkrankheit führt seit einigen Jahren in Perioden mit starker Taubildung im Spätsommer und Herbst in vielen Fenchelkulturen zur Unverkäuflichkeit des Ernteproduktes.

In Fällen, wo der Anbau einer Gemüseart in der Schweiz wegen fehlender Pflanzenschutzmittelbewilligungen gefährdet ist, leistet Agroscope Unterstützung bei der Erarbeitung der notwendigen Grundlagendaten für Zulassungen zur Schliessung solcher „Indikationslücken“. Es geht dabei meist um Untersuchungen zur Wirksamkeit und zum bestmöglichen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, auch im Hinblick auf eine Minimierung der Umweltauswirkungen und allfälliger Rückstände. Ohne diese Arbeit könnten in der Schweiz viele Gemüsearten nicht in der gewünschten Qualität und wirtschaftlich angebaut werden.

Nachhaltiger Pflanzenschutz dank angepasster Applikationstechnik Wenn Gemüseproduzenten im Rahmen von nachhaltigen Pflanzenschutzstrategien chemische Mittel einsetzen müssen, dann soll für die Behandlung moderne Technik genutzt werden, welche garantiert, dass die Abdrift auf Flächen ausserhalb der behandelten Kultur und Abtropfverluste auf den Boden minimal sind. Pflanzenschutzmittel sollen im Gemüsebestand dort angelagert werden, wo sich die Schaderreger aufhalten, auch wenn dies auf der Blattunterseite ist.

Um dieses Ziel zu erreichen, hat Agroscope in der jüngeren Vergangenheit die Dropleg-Technik für die Unterblattspritzung bis zur Praxisreife weiterentwickelt. Mit diesem Spritzverfahren werden auch im Pflanzeninneren von dichten Gemüsebeständen sitzende Schaderreger erfasst, ohne dass dafür erhöhte Mengen an Pflanzenschutzmittel aufgewendet werden müssen. Agroscope untersucht zurzeit, in welchem Ausmass mit dieser Technologie zusätzlich die Abdrift vermindert werden kann. Gemüsegärtnerinnen und -gärtner, die solche driftmindernden Massnahmen umsetzen, können dann die Abstandsauflagen, die bei einigen Pflanzenschutzmitteln zum Schutze von nahegelegenen Oberflächengewässern vorgeschrieben sind, nach einem vom BLW festgelegten Schema entsprechend verringern.

Alternative Bekämpfungsmethoden haben Potenzial

Agroscope logoIm Gewächshausanbau bewährt sich der Einsatz von Nützlingen zur Regulierung von verschiedenen Schädlingen seit Jahren bestens. Im Freilandanbau, insbesondere in der Bekämpfung von Pilzkrankheiten, besteht in dieser Hinsicht noch grosser Bedarf an Entwicklungsarbeit. Im Boden überlebende Pflanzenkrankheiten und Bodenschädlinge machen verschiedenen Gemüsekulturen in steigendem Masse zu schaffen, die sich mit den wenigen noch bewilligten chemischen Mitteln nicht ausreichend bekämpfen lassen. Deshalb sind biologische Alternativen gefragt. Agroscope testet zurzeit in Gemüsefeldern verschiedene natürlicherweise vorkommende Mikroorganismen als Gegenspieler gegen bodenbürtige Krankheitserreger. Es zeigt sich, dass die krankheitsunterdrückende Wirkung solcher sogenannter Antagonisten auch von der Düngungsstrategie und der Anbautechnik abhängig ist.

www.agroscope.ch

Quelle: Agroscope

Veröffentlichungsdatum: 03.09.2015

Schlagwörter

Gemüsebautagung, Gemüsebau, Spannungsfeld, Konsum, Umwelt