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Revolution in der Lieferkette: FreshIndex soll Haltbarkeit von Lebensmitteln in Echtzeit berechnen

22. März 2018

Der FreshIndex soll künftig eine dynamische Alternative zum bisherigen Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) darstellen. Er basiert auf den Hygienedaten der Hersteller sowie den tatsächlichen Lagerbedingungen von Lebensmitteln.

Freshindex. Quelle: Metro AG
Freshindex. Quelle: Metro AG

Das cloud-gestützte Tool verbessert die Transparenz entlang der Lieferkette und fördert so die Wettbewerbsfähigkeit aller Akteure der Lebensmittelbranche. Zudem wird die Verschwendung noch verwendbarer Lebensmittel reduziert. Auf der Anuga FoodTec 2018 in Köln stellt Matthias Brunner, tsenso, das Projekt erstmalig vor.

Die Verschwendung noch genießbarer Nahrungsmittel ist eine der zentralen Herausforderungen unserer Zeit. Laut aktueller Studien landen alleine in der EU jedes Jahr Lebensmittel im Wert von 143 Milliarden Euro im Müll. Grund für die unnötige Entsorgung sind unter anderem unzureichende Informationen über die tatsächliche Haltbarkeit. Die Temperatur ist einer der Schlüsselfaktoren dafür. Für die Berechnung des Mindesthaltbarkeitsdatums wird bislang eine konstante Maximaltemperatur verwendet und nur eine Rückverfolgung ganzer Produktionschargen gewährleistet. Die realen Lager- und Transortbedingungen werden nicht erfasst.

Ein neues dynamisches Konzept zur Berechnung der Haltbarkeit von Lebensmitteln soll nun im Rahmen des durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten KMU-NetC Projektes „FreshIndex“ entstehen.

Am Beispiel von Schweinefleisch wird die Frische eines Produkts auf Basis der Hygienedaten der Hersteller und der tatsächlich gemessenen Lagerbedingungen errechnet, wobei alle mikrobiologischen Prozesse durch mathematische Modelle abgebildet werden. Der resultierende FreshIndex soll mit Hilfe einer Cloud-Applikation an jeder Stelle der Lieferkette eine Aussage über die tatsächliche Frische der Ware treffen können. Ziel ist es, die Versorgung mit Lebensmitteln ökonomisch und ökologisch zu optimieren. Dabei werden alle qualitätsrelevanten Daten entlang der gesamten Lebensmittel-Lieferkette vom Produzenten über den Händler bis hin zum Konsumenten berücksichtigt. Der FreshIndex lässt sich per App auslesen und digital anzeigen, etwa auf digitalen Preisschildern und im Online-Lebensmittel-Shop.

Die Entwicklung des FreshIndex ist auf zwei Jahre angelegt. Unter der Leitung von tsenso (Simulationsmodelle) setzt das Projektkonsortium bestehend aus arconsis (Sensoren), bwcon (Netzwerkmanagement), GS1 Germany (Identifikation), der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (Kundenakzeptanz), Metro (Großhandel) und der Universität Bonn (Hygiene-/Messdaten) drei Projektphasen um: Zunächst soll ein Konzept zur Effizienzsteigerung in der Lieferkette und zur besseren Bestimmung der Haltbarkeit von Lebensmitteln entwickelt werden. Im zweiten Schritt erforschen die Projektpartner, wie sich bestehende Standards zum Beispiel für den Datenaustausch und zur Rückverfolgbarkeit erweitern lassen, um die tatsächlichen Daten einzelner Wareneinheiten zu jedem Zeitpunkt entlang der Lieferkette abfragen zu können. Am Ende des Prozesses stehen zwei Praxistests, die Auskunft über die Möglichkeit einer tatsächlichen Implementierung des FreshIndex geben sollen. Geplant ist zudem die Publikation der wissenschaftlichen Ergebnisse aus dem Projekt, um die Entwicklung eines wissenschaftlich fundierten Standard-Modells für nutzer- und verbraucherzentrierte Food-Labeling-Systeme voranzutreiben.

Erstmalig offiziell vorgestellt wird FreshIndex auf der Anuga FoodTec 2018 in Köln. Matthias Brunner von tsenso hält dazu beim GDL e.V.-Forum „Transparency in the food industry“ den Vortrag „The FreshIndex: Trust, transparency and food safety of the future”. Das Forum findet am 23. März 2018 zwischen 10-12 Uhr in Halle 4.2 am Stand A11 statt.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Vorhaben im Rahmen der Fördermaßnahme „KMU-NetC“ mit etwa einer Million Euro.

Die Projektpartner:

arconsis IT-Solutions GmbH – bwcon e.V. – GS1 Germany – Hochschule Bonn-Rhein-Sieg – METRO AG – tsenso GmbH – Universität Bonn.

Quelle: GS1 Germany GmbH / Metro AG

Veröffentlichungsdatum: 22.03.2018

Schlagwörter

Revolution, Lieferkette, FreshIndex, Haltbarkeit, Lebensmitteln