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PotatoEurope 2018: Precision Farming im Kartoffelbau - Herausforderungen und Chancen

09. Juli 2018

Die Kartoffel zähltzu den fünf wichtigsten Ackerbaukulturen weltweit und zeichnet sich durch einebesonders hohe Kalorienleistung pro Hektar aus. Ihr Anbau ist jedoch mit einemhohen Arbeitsaufwand verbunden, der sich aber durch den Einsatz von Technikdeutlich reduzieren lässt. Ein hoher Ertrag sowie eine verwertungsgerechte Knollenqualitätsetzen zudem eine intensive pflanzenbauliche Begleitung während der Vegetationvoraus.

Dr. Rolf Peters, PotatoConsult UG, Visselhövede. Foto PotatoEurope
Dr. Rolf Peters, PotatoConsult UG, Visselhövede. Foto PotatoEurope

Diese Rahmenbedingungenmachen die Kartoffel eigentlich zu einer idealen Kultur für das Precision- undSmart Farming. Die mit der GPS-Technologie verbunden Vorteile, wie Spurplanungund -führung oder Section Control, werden heute auch im Kartoffelanbau immer häufigergenutzt. Bei der Bestellung können unterschiedlich generierte Bodenkarten überden optional erhältlichen hydraulischen Antrieb der Legemaschinen umgesetztwerden. Mehrjährige Versuche bestätigen, dass auf leichtern Böden ein weitererLegeabstand in der Reihe sinnvoll ist, um so den Einzelpflanzen einen größerenEinzugsbereich für Wasser und Nährstoffe zu ermöglichen. Dies geht mit einer ander Verwertungsrichtung der Knollen und dem Ansatzverhalten der jeweiligenSorte orientierten Grundgröße des Legeabstandes einher.

Das Wachstum derKartoffelpflanzen würde bei ausreichender Nährstoffversorgung in der Regel erstmit dem ersten deutlichen Frostereignis des Herbstes zu Ende gehen. Dem stehenaber die spezifischen Ansprüche der unterschiedlichen Verwertungseinrichtungen,z. B. eine deutlich kleinere Sortierung des Erntegutes bei der Pflanzkartoffelproduktion,entgegen, so dass das Wachstum auf vielen Flächen mit einer gezielten Sikkationvorzeitig beendet werden muss. Auf der Basis von aktuellen Biomassekarten oderder Online-Erfassung des Bestandes kann heute mit Hilfe entsprechendermathematischer Modelle die Aufwandmenge an Sikkativen bedarfsabhängig variiertund so der Gesamtbedarf an Wirkstoff pro Flächeneinheit nachhaltig reduziertwerden. Gleichzeitig wird das Risiko von anwendungsspezifischenQualitätsbeeinträchtigungen verringert und die Wirtschaftlichkeit der Maßnahmeverbessert.

Für die praxisgerechteEigenkontrolle teilflächenspezifischer Maßnahmen ist eine Kartierung desErtrages bei der Ernte eine unabdingbare Voraussetzung. Bei der Kartoffelerntemüssen die Knollen im Gegensatz zu den meisten anderen Ackerbaukulturen aus demBoden aufgenommen und von sehr viel Erde, Kraut sowie knollenähnlichenBeimengungen getrennt werden. Bleiben aufgrund unzureichender Trenngüte dermaschinellen Beimengungstrenneinrichtungen oder fehlenden Verlesepersonals vorallem größere Mengen an Kluten und Steine im Erntegut zurück, kommt es bei dervorherrschenden Ertragserfassung über eine Bandwaage im Zufuhrbereich desBunkers zu unrealistischen Mehrerträgen, die die Analyse der pflanzenbaulichenMaßnahmen erheblich erschweren. Zudem zeichnen sich die meisten Kartoffelsortendurch ein ausgeprägtes Kompensationsverhalten aus, so dass z. B. sich schwächerentwickelnde oder fehlende Nachbarpflanzen durch eine höhere Ertragsleistungder vitalen Kartoffelstauden weitgehend ausgeglichen werden. Dies führt dann zuannähernd vergleichbaren Rohwareerträgen, während die verwertungsspezifischeSortierung beispielsweise durch einen höheren Anteil übergroßen Knollendeutlich differieren kann. Hier wäre neben einer Kartierung des Knollenertragesauch eine gleichzeitige Erfassung der Sortierung des Erntegutes sinnvoll, umdie Produktivität der anbautechnischen Maßnahmen auf allen Ebenen zuoptimieren.

Aus diesem Kompensationsverhaltender Kartoffeln ergeben sich aber auch grundlegende Herausforderungen für dasPrecision Farming, da die Biomasse des oberirdischen Bestandes nur bedingtRückschlüsse auf das unterirdische Erntegut zulässt und damit die Nutzung deraus anderen Kulturen bekannten und bewährten Vegetationsindizes deutlicheinschränkt. Dies betrifft neben den Ertrag vorrangig die Sortierung desErntegutes und stellt gegenwärtig die größte Herausforderung für die weitereEinführung des Precision Farming im praktischen Kartoffelbau dar

www.potatoeurope.de

Quelle: DLG

Veröffentlichungsdatum: 09.07.2018

Schlagwörter

PotatoEurope, Precision Farming, Kartoffelbau, Herausforderungen, Chancen