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OECD-Bericht: Agrarförderungen in Industrieländern 2013 leicht gefallen

08. September 2014

Rund 18% ihres Einkommens haben Landwirte in Industrieländern im Jahr 2013 aus staatlichen Zuwendungen bezogen. Das sei zwar nur noch halb so viel wie vor etwa 30 Jahren, aber immer noch zu hoch, kritisiert die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in ihrem jüngsten Agrarpolitik-Jahresbericht. Der leichte Rückgang von etwa 1% gegenüber 2012 sei kaum auf einen Wechsel in der Agrarpolitik zurückzuführen. Stattdessen hätten hohe Preise weniger Stützung erforderlich gemacht. Rund die Hälfte der EUR 194 Mrd. an Agrarförderungen in den 34 OECD-Ländern sei immer noch an die Produktion gekoppelt und deshalb handelsverzerrend. Wenngleich eine allgemeine Abkehr von produktionsgebundenen Stützungsmaßnahmen zu beobachten sei, heißt es in dem Bericht laut aiz.info.

Besonders hoch verbleibe die Preisstützung in Japan, Südkorea, Island und Norwegen, wo zwischen der Hälfte und zwei Drittel der Bruttoagrareinnahmen aus Transferleistungen stammen. Chile, Australien und Neuseeland lobte dagegen die OECD, weil sie auf Förderungen - mit einem Anteil von weniger als 3% der Bruttoagrareinnahmen - weitgehend verzichten. Die EU liege mit einem Einkommensanteil der Landwirte aus Steuermitteln von 20% leicht über dem Durchschnitt. Die Schwellenländer kämen von einem sehr niedrigen Förderniveau, sie holten aber auf. In China bezogen die Erzeuger ebenfalls 18% der Einkommen aus Beihilfen und dabei handle es sich zum großen Teil um handelsverzerrende Preisstützungen, bemängelt die OECD. Auch Russland bewege sich in diese Richtung.

Innovationen stärker fördern

Im OECD-Raum seien klare, aber ungleiche Fortschritte hin zu weniger marktverzerrenden und effizienteren Agrarstützungen erzielt worden, schreiben die Autoren in dem Bericht. Hinsichtlich einer Steigerung der Agrarproduktivität, Nachhaltigkeit und Rentabilität habe es wesentlich geringere Verbesserungen bei der Abstimmung der Politiken gegeben.

Künftig werde eine stärkere Unterstützung von Innovationen nötig sein, erklärt die Organisation mit Sitz in Paris. Zudem sei eine nachhaltige Nutzung von Naturressourcen für die meisten OECD-Länder nach wie vor eine bedeutende Herausforderung, die aber verstärkt in Angriff genommen werden müsse. Zielgerichtete Agrarumweltmaßnahmen stellten weiterhin nur einen geringen Anteil des globalen agrarpolitischen Handlungsrahmens dar, so die Autoren.

Neue agrarpolitische Konzepte

In einigen OECD-Ländern treten 2014 neue agrarpolitische Rahmen in Kraft: "Growing Forward 2" in Kanada lege den Schwerpunkt stärker auf langfristige Investitionen zur Verbesserung der Produktivität und Nachhaltigkeit, hält aber an den Marktregulierungsprogrammen fest. Die Umverteilung von Direktzahlungen innerhalb und zwischen den Mitgliedstaaten der Europäischen Union, mehr Flexibilität auf nationaler Ebene bei der Umsetzung von Maßnahmen sowie stärkere Politikanstrengungen zur Verbesserung der Umweltleistung der Landwirtschaft seien Kernelemente der neuen Gemeinsamen Agrarpolitik 2014 bis 2020.

Japan habe Änderungen in der Agrarpolitik angekündigt, darunter die schrittweise Abschaffung der Produktionsquoten im stark geschützten Reissektor und die Beschränkung einiger Direktzahlungen auf landwirtschaftliche Kernbetriebe. Auch Mexiko strebe nach einer Richtungsänderung in der Agrarpolitik und plane, sein umfangreichstes Unterstützungsprogramm neu auszurichten, um die Zahlungen an die Agrarbetriebe erneut an den Kauf landwirtschaftlicher Vorleistungen zu koppeln.

Die Schweiz habe ihr Direktzahlungssystem verfeinert, um es gezielter auf spezifische Agrarpraktiken auszurichten und es weiter von der Viehzucht zu entkoppeln, bei gleichzeitiger Beibehaltung eines insgesamt hohen Schutzniveaus. Mit dem Landwirtschaftsgesetz von 2014 schafften die Vereinigten Staaten die nicht an bestimmte Zielvorgaben gebundene Einkommensstützung ab und erhöhten die Ausgaben für Programme zur Minderung der Einnahme- und Einkommensrisiken, wie die Organisation darlegt. Im kommenden Jahresbericht will die OECD die Schwellenländer genauer unter die Lupe nehmen.


Quelle: aiz.info

Veröffentlichungsdatum: 08.09.2014

Schlagwörter

OECD, Agrar, Förderung, Industrieland