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Nachhaltigkeit disruptiv: Ruf und Wirklichkeit von Verpackungen im Fokus des Branchengipfels

10. April 2019

Neuer Umgang und mehr Wertschätzung für Materialien, gelebte Verantwortung im Spannungsfeld von Kosten und Effizienz, neue Wirklichkeit bei Konsumenten, ein Ende des „Weiter so“ und die Folgen disruptiver Entwicklungen durch Umweltprobleme und Digitalisierung.

Wolf-Dieter Baumann | dvi Vorstandsvorsitzender. Foto © Deutscher Verpackungskongress 2019
Wolf-Dieter Baumann | dvi Vorstandsvorsitzender. Foto © Deutscher Verpackungskongress 2019

Auf dem 14. Deutschen Verpackungskongress am 21. März in Berlin trafen sich über 200 Führungskräfte der Verpackungswirtschaft und analysierten Situationen, Strategien und Lösungen rund um das Thema Nachhaltigkeit.

Das Deutsche Verpackungsinstitut e. V. (dvi) hatte in die Vertretung des Landes Baden‐Württemberg beim Bund geladen und eine Rekordzahl von Führungskräften aus der Branche war dem Ruf nach Berlin gefolgt. Über 200 Teilnehmer verfolgten auf dem 14. Deutschen Verpackungskongress sieben spannende Vorträge, die unter dem Motto „Image der Verpackung ‐ Zwischen Ruf und Wirklichkeit“ die aktuelle Situation rund um das Thema Verpackung und Nachhaltigkeit analysierten und dabei nicht nur aktuelle Probleme, sondern auch vielversprechende Strategien und Lösungen darstellten.

dvi‐Geschäftsführerin Kim Cheng zeigte sich nach dem Kongress hochzufrieden mit „der großen Zahl an qualitativ hochwertigen Diskussionen und neuen Impulsen, die der Kongress hervorgebracht hat. Es war nicht das erste Mal, dass wir das Thema Nachhaltigkeit auf die Agenda des Kongresses gesetzt haben. Aber es war deutlich zu spüren: Die Zeit ist inzwischen mehr als reif für substantielle Diskussionen, nicht nur über Visionen einer idealen Zukunft, sondern auch im Hinblick auf konkrete Maßnahmen. Die Branche bewegt sich. Und sie will!“, so Kim Cheng.

Thomas Rau: Material Matters. Alles ist endlich – die Konsequenzen überdauern

Der Visionär und Architekt Thomas Rau hatte in seinem Auftaktvortrag dafür geworben, mehr über Mind‐Change anstatt Climat‐Change zu reden. Rau rückte das Material ins Zentrum, dem neue Wertigkeit und eine eigene Identität zugemessen werden müsse. Müll sei Material ohne Identität, so Rau. Ein Produkt dagegen sei im Grunde eine Material‐Werte‐Bank. Auch Prof. Dr. Martin R. Stuchtey rief dazu auf, Produkte als Service zu verstehen. Er verortete die Branche nicht in der Verpackung, sondern sah sie als „Frische‐, Sicherheits‐  und Verfügbarkeitsindustrie“. Eine ganz konkrete Material‐Lösung präsentierte Eduardo Gordillo, der die Lebensmittel mit Verpackungen schützt, die aus der eigenen Pflanze gewonnen wurden. Verpackungen aus Agrarabfällen, die regional auf rein mechanischem Weg bei geringem Wasserverbrauch und vollständiger Recyclingfähigkeit und Kompostierbarkeit hergestellt werden.

Andere Vorträge zeigten Einblicke in die laufenden Maßnahmen großer Konsumgüterhersteller und Handelsunternehmen wie Unilever, Metro oder der Schwarz Gruppe (Lidl, Kaufland), die mit ihrer „REset Plastic“ getauften Strategie in fünf Handlungsfeldern ansetzen: Reduce (Einsparung von Kunststoffen), Redesign (verbessertes Verpackungsdesign), Recycle (aktives Optimieren und Gestalten von Recyclingsystemen in den Ländern, in denen man tätig ist), Remove (aktives Beseitigen von gebrauchten Verpackungen, die in die Umwelt gelangen) und Research (Investitionen in Forschung und Entwicklung innovativer Lösungen). Klar wurde bei den Einblicken allerdings auch: Nachhaltigkeit gibt es nicht umsonst. Und die Kosten werden nicht eins zu eins weitergereicht werden können.

Auch Gunda Rachut, Vorstand der Stiftung Zentrale Stelle Verpackungsregister, betonte die Notwendigkeit eines Wandels. Ein „Weiter so“ wird es ihrer Meinung nach nicht geben, da der Gesetzgeber den Prozess aufmerksam verfolge. Das neue Verpackungsgesetz zeige zwar aktuell vor allem erste Leuchtturmprojekte und noch keine spürbare Marktbewegung, es setze aber die notwendigen Anreize und gebe Klarheit auch für die Kostenrechnung.  

Bildimpressionen.

Interessant sind auch die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage, die wir zum Start des Kongresses veröffentlicht haben. Fast 50 Prozent der Deutschen sieht sich selbst als Hauptverantwortliche für das Ocean Littering. Und es gibt klare Erwartungen an die Verpackung.
Download: dvi-Deutschlandumfrage 2019

www.verpackungskongress.de

Quelle: Deutsches Verpackungsinstitut e. V.

Veröffentlichungsdatum: 10.04.2019

Schlagwörter

Deutscher Verpackungskongress, Nachhaltigkeit, disruptiv, Verpackungen, Branchengipfel