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LAVES Niedersachsen: Chlorat- und Perchlorat-Untersuchungen pflanzlicher Lebensmittel

28. April 2015

Das Lebensmittel- und Veterinärinstitut Oldenburg des LAVES hat im Jahr 2014 insgesamt 830 Proben pflanzliche Lebensmittel, hauptsächlich Frischobst und Frischgemüse, auf Chlorat und 816 Proben hiervon auf Perchlorat untersucht. Chlorat war in 76 Proben und Perchlorat in 173 Proben nachweisbar.

tomaten

2014 hat das Lebensmittel- und Veterinärinstitut (LVI) Oldenburg insgesamt 830 Lebensmittelproben - hauptsächlich Frischobst und Frischgemüse - mit Hilfe der QuPPe-Methodeund LC-MS/MS auf Chlorat untersucht. In 76 Proben wurden Rückstände nachgewiesen, davon 26-mal in Spuren und 50-mal quantifizierbar (≥ 0,01 mg/kg). Chlorat war in 31 von 505 Proben Frischobst und in 29 von 245 Proben Frischgemüse enthalten, mit Maximalwerten in Tomaten (0,78 mg/kg), Babymöhren (0,63 mg/kg), Salatgurken (0,39 mg/kg), Erdbeeren (0,29 mg/kg) und Süßkirschen (0,17 mg/kg).

Rechtlich als nicht mehr zulässiges Pflanzenschutzmittel definiert, gilt für Chlorat ein EU-weiter Höchstgehalt von 0,01 mg/kg nach VO (EG) Nr. 396/2005 Art. 18 (1) b). Proben mit gesicherten Höchstgehaltsüberschreitungen unterliegen nach LFGB § 9 (1) 3. einem Verkehrsverbot.

laves logo grootWährend in 13 Proben genau 0,01 mg/kg Chlorat bestimmt wurden, enthielten 37 Proben höhere Gehalte. Hiervon wiesen 24 Proben mehr als 0,02 mg/kg Chlorat auf, sodass diese unter Berücksichtigung von 50 % Messunsicherheit den Höchstgehalt gesichert überschritten.
Alle Höchstgehaltsüberschreitungen wurden einer Risikoabschätzung für akute und chronische toxikologische Risiken von Pflanzenschutzmitteln (PRIMo) der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) unterzogen. Hierbei sind sowohl für die Akute Referenzdosis (ARfD) als auch für die Akzeptable Tägliche Aufnahmemenge (ADI) nach Angabe des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) 0,01 mg/kg Körpergewicht/Tag einzusetzen. In der damit erfolgten Berechnung überstiegen 6 Proben (2x Babymöhren, 3x Salatgurken, 1x Friseesalat) die ARfD für Kinder um mehr als 100 %.

Eine Probe Tomaten mit 0,78 mg/kg sowie die Probe Friseesalat mit 0,61 mg/kg waren zudem nach dem ab Oktober 2014 gültigen Aktionswert von 0,25 mg/kg für den amtlichen Vollzug in der Lebensmittelüberwachung zu beurteilen.

Die Chlorat-Aktionswerte sind für den Vollzug in der Lebensmittelüberwachung einsetzbar und wurden aus dem Modell EFSA-PRIMo abgeleitet. Sie führen nicht zur Überschreitung von ARfD und ADI und gelten für folgende Produkte übergangsweise bis zur Festlegung spezifischer Höchstgehalte:

Karotten: 0,2 mg/kg
Gemüse (außer Karotten): 0,25 mg/kg
übrige pflanzliche Lebensmittel: 0,1 mg/kg

Chlorat:
Chlorate als Salze der Chlorsäure (HClO3) wurden früher in Form von Natrium- und Kaliumchlorat als Herbizide zur Unkrautvernichtung eingesetzt, sind jedoch in der EU seit 2008 nicht mehr als Pflanzenschutzmittel zugelassen. Chlorate können jedoch auch entstehen, wenn Chlor, Chlordioxid oder Hypochlorite zur Desinfektion von Wasser eingesetzt werden. Damit soll verhindert werden, dass z. B. Wasser in Zisternen und Rohrleitungen verkeimt, welches zur Bewässerung im Anbau von Nahrungspflanzen eingesetzt wird.

Perchlorat:

Die vom LVI Oldenburg 2013 begonnenen Untersuchungenauf das hauptsächlich aus bestimmten Düngemitteln stammende Perchlorat wurden 2014 ausgeweitet.

In insgesamt 173 von 816 Proben pflanzlicher Lebensmittel war Perchlorat mit Hilfe der QuPPe-Methode und LC-MS/MS nachweisbar, darunter in 101 von 504 Proben Frischobst, 58 von 246 Proben Frischgemüse, 12 von 42 Proben Tiefkühl-Obst sowie 2 von 21 Proben Gemüsesaft für Säuglings- und Kleinkinder. 122 Proben hiervon enthielten quantifizierbare Gehalte ≥ 0,01 mg/kg, wobei die höchsten Perchloratgehalte in jeweils einer Probe Grünkohl (0,29 mg/kg) und Erdbeeren (0,13 mg/kg) gemessen wurden.

Setzt man alle positiven Chlorat- und Perchlorat-Nachweise ins Verhältnis, zeigt dass in 2/3 der Proben nur Perchlorat und in fast 1/4 der Proben nur Chlorat enthalten war. In etwas mehr als 9 % der positiven Proben wurden sowohl Perchlorat als auch Chlorat nachgewiesen, davon am häufigsten in frischen Erdbeeren (9x) und Tiefkühl-Erdbeeren (3x).

Fazit:
Auch 2015 wird das LVI Oldenburg Lebensmittelproben auf Chlorat und Perchlorat untersuchen und dem Bundesinstitut für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) entsprechende Untersuchungsergebnisse für das Monitoringprogramm melden. Die Ergebnisse werden auch von EFSA eingesetzt, um neue Risikobewertungen durchzuführen, welche als Grundlage für die Überarbeitung der bisherigen Grenzwerte bzw. zur Aufstellung spezifischer Höchstgehalte dienen sollen.

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Quelle: LAVES

Veröffentlichungsdatum: 28.04.2015

Schlagwörter

LAVES, Niedersachsen, Chlorat, Perchlorat, Untersuchung, pflanzlich, Lebensmittel, Obst, gemüse