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LALLF-Verbraucherfokus 2018: Kartoffelkrebs – eine alte Gefahr

02. Juli 2019

Prof. Feldhusen, Direktor des Landesamtes für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALLF) in Rostock gab auf der Pressekonferenz zur Vorstellung der druckfrischen Broschüre „Verbraucherschutz im Fokus 2018“, einen Überblick zu Überwachungs- und Untersuchungsstatistik des LALLF.

Bildquelle: Shutterstock.com Kartoffel
Bildquelle: Shutterstock.com

Im Jahr 2018 mussten von 8.331 Proben Lebensmitteln und Bedarfsgegenständen 11,9 % beanstandet werden, was die Größenordnung der letzten Jahre widerspiegelt.

Der Hauptteil Beanstandungen lag wiederholt im Bereich der Kennzeichnung mit fehlenden, nicht vorschriftsgemäßen oder irreführenden Angaben auf Verpackungen und Etiketten der untersuchten Lebensmittel (68,2 %). Weiterhin gab es u. a. 18,8 % mikrobiologische Verunreinigungen der Proben. Eine Gefahr für die Gesundheit des Verbrauchers ergab sich aus 17 Proben
(=0,0022 %), die unterschiedliche Keime beinhalteten, z. B. E.coli  in Rohmilch oder Käse sowie Listerien in Salami.

Kartoffelkrebs – droht der Kartoffel eine alte Gefahr neu?

 

„Die gute Nachricht für Landwirte und Verbraucher ist: in M-V können derzeit ohne Einschränkung weiter hochwertiges Kartoffelpflanzgut und exzellente Speisekartoffeln produziert werden“, nimmt Dr. Joachim Vietinghoff, Abteilungsleiter Pflanzenschutzdienst im LALLF, die Spannung aus der vorgestellten Thematik „Kartoffelkrebs“.

 


Höchst fraglich war dies geworden, weil bei amtlichen Untersuchungen 2018 von an Kartoffeln anhaftender Erde leere, nicht mehr infektiöse Dauerkörper des Kartoffelkrebses gefunden wurden. Ihre Herkunft war unklar, denn es werden jährlich hunderttausende Pflanzkartoffeln im Zuge der Pflanzgutanerkennung des LALLF einzeln untersucht - einen Krebsbefall gab es nicht. Ob es sich um kürzlich entleerte Dauerkörper und damit um die mögliche Verseuchung einer Fläche oder um Überbleibsel eines lange zurückliegenden, historischen Krebsbefalls handelte, musste schnell geklärt werden.

Der Kartoffelkrebs ist eine äußerst gefürchtete, international streng geregelte Quarantäneerkrankung. Die bis heute nicht bekämpfbare Krankheit kann mit dem Pflanzgut, durch Erosion, durch Kartoffelabfälle sowie durch Maschinen und Geräte verbreitet werden. Darum sind bei Befall strengste Quarantänebestimmungen notwendig, z. B. ein jahrzehntelanges Anbauverbot für Kartoffeln mit entsprechenden katastrophalen Folgen für betroffene Betriebe. Die Erkrankung trat in Mecklenburg erstmalig 1915 auf. Es brauchte etwa 40 Jahre konsequente Quarantänemaßnahmen und den Anbau krebsresistenter Sorten, um die Infektion zu tilgen (seit 1958 befallsfrei).

„Umfangreichen Recherchen in (ur)alten Akten sicherten die Erkenntnis, dass die von uns gefundenen leeren Dauerkörper „alt“ waren. Sie können mindestens bis zu 60 Jahre unzersetzt im Boden überdauern“, gibt Vietinghoff diese fachlich völlig neue und außergewöhnliche Erkenntnis bekannt. Für die amtliche Risikobewertung ist das sehr wichtig. Denn es kann nun davon ausgegangen werden, dass leere Dauerkörper auf aktuellen Anbauflächen nicht auf einen kurz zurückliegenden Befall hinweisen, sondern letzte Zeugen der Erkrankung aus historischer Vergangenheit sind. „Quarantänemaßnahmen mit enormen Folgen für die Kartoffelwirtschaft im Land sind nicht erforderlich“, resümiert der Experte erleichtert.

Hintergrund
Kartoffelkrebs wird durch den Befall mit dem Pilz Synchytrium endobioticum hervorgerufen. Er verursacht blumenkohlartige Wucherungen verschiedener Pflanzenteile und den Knollen. Aus ihnen bilden sich Dauerkörper, von denen die Neuinfektion ausgeht. Die Dauerkörper können 20 - 40 Jahre im Boden keimfähig bleiben. Kontaminierte Böden, Lagerräume und Landmaschinen können nicht entseucht werden, denn es fehlen wirksame Biozide oder auch sonstige Bekämpfungsmöglichkeiten.

Quelle: LALLF

Veröffentlichungsdatum: 02.07.2019

Schlagwörter

Lallf, Verbraucherfokus, Kartoffelkrebs