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Laborkompetenztest – Rückstandsanalytik auf dem Prüfstand

08. August 2014

Die durch QS anerkannten Labore spielen für die Qualitätssicherung von Obst, Gemüse und Kartoffeln eine zentrale Rolle: Im Rahmen eines sogenannten Rückstandsmonitoring-Programms untersuchen sie regelmäßig, ob die QS-Vorgaben von den teilnehmenden Unternehmen eingehalten werden.

Das Rückstandsmonitoring im QS-System überwacht bei Obst, Gemüse und Kartoffeln, ob geltende Rückstandshöchstgehalte für Pflanzenschutzmittel sowie Grenzwerte für Schadstoffe und Nitrat eingehalten werden. Außerdem wird kontrolliert, ob die eingesetzten Pflanzenschutzmittel für die jeweilige Kultur zugelassen sind. Ziel des Monitorings ist es, dass nur einwandfreie Ware den Weg zum Verbraucher findet.

Damit Labore im QS-System Untersuchungen durchführen dürfen, benötigen sie eine Anerkennung durch QS. Diese beinhaltet neben einer ausführlichen Dokumentenprüfung auch die regelmäßige Teilnahme an Laborkompetenztests, die durch QS organisiert werden.

So läuft der Test ab

Für Labore, die sich um eine Anerkennung im QS-System bewerben, ist eine erfolgreiche Teilnahme an den Laborkompetenztests obligatorisch. Bereits anerkannte Labore müssen dagegen einmal pro Jahr an einem Test teilnehmen und nachweisen, dass sie ihre Leistungen nachhaltig und auf einem einheitlich hohen Niveau erbringen können. Der Kompetenztest findet zweimal jährlich, jeweils im Frühjahr und im Herbst statt.

Hat sich ein Labor für den Kompetenztest angemeldet, erhält es eine sogenannte Testmatrix, sprich eine zuvor präparierte Probe, der verschiedene Wirkstoffe aus dem Pflanzenschutz-mittel-Bereich zugesetzt wurden. Dabei wird über die ausgewählten Wirkstoffe und das genaue Versanddatum der Proben Stillschweigen gewahrt. Auch die Testmatrix wird den Laboren im Vorfeld nicht mitgeteilt. Darüber hinaus erhält jedes am Kompetenztest teilnehmende Labor zwar eine Probe derselben Testmatrix, allerdings variiert diese in Bezug auf die Zusammensetzung und Konzentration der zugesetzten Wirkstoffe. Auf diese Weise wird einem eventuellen „Abschreiben“ der Testergebnisse vorgebeugt.

Häufig finden auch „Problemwirkstoffe“ in der Testmatrix Verwendung, also Wirkstoffe mit deren Nachweis Labore bei früheren Tests Probleme hatten. Auf diese Weise kann QS feststellen, ob sich die Labore mit Problemen und typischen Fehlerquellen vorheriger Analysen aktiv auseinander gesetzt und diese beseitigt haben. Im aktuellen Test fungierte eine mit siebenpraxisrelevanten Wirkstoffen präparierte Kartoffel als Testmatrix.

Um eine Verlässlichkeit der Wirkstoff-Zusammensetzung in den zu untersuchenden Proben zu gewährleisten, wird das Verhalten der Wirkstoffe in der Testvorbereitungsphase genauestens geprüft. Dafür werden verschiedene Vor- und Nachuntersuchungen des Testmaterials durchgeführt. Durch die Untersuchungen wird sichergestellt, dass die zugesetzten Wirkstoffe, egal in welcher Konzentration, in allen Proben und für sämtliche Labore stabil bleiben.

Anonymität hat höchste Priorität

Von der Planung des Laborkompetenztests bis zur Auswertung der Ergebnisse hat die Wahrung der Anonymität der Labore höchste Priorität. Das bedeutet Arbeiten nach dem Black-Box-Prinzip: Die Namen und das Ansehen der teilnehmenden Labore spielen keine Rolle. Jedes Labor wird lediglich unter einem Code geführt, wodurch es zu keinem Zeitpunkt identifiziert werden kann.

Zusätzlich wird bei der Vorbereitung und Durchführung des Tests eine strikte Trennung der Arbeitsschritte und Tätigkeitsbereiche in Bezug auf die beteiligten externen Dienstleister und Sachverständigen sichergestellt. Aus dem gleichen Grund haben die angesprochenen Dienstleister und Sachverständigen auch nur auf die anonymisierten Daten Zugriff, die sie für ihre Arbeit auch tatsächlich benötigen.

Ergebnis entscheidet über Erhaltung der QS-Anerkennung

Nach Eingang der Testmatrix beim Labor, hat dieses drei Tage lang Zeit, die in der Probe enthaltenen Wirkstoffe zu identifizieren und quantitativ korrekt nachzuweisen. Der Laborkompetenztest gilt als bestanden, wenn sämtliche der Testmatrix zugesetzten Wirkstoffe richtig identifiziert und alle bis auf zwei in ihrer Konzentration korrekt nachgewiesen wurden. Jedes Labor erhält nach Abschluss des Tests einen Ergebnis-Report und seinen Labor-Code. Damit kann es sein Abschneiden im Test mit den anonymisierten Ergebnissen der anderen Teilnehmer vergleichen.

Nach Auswertung des Kompetenztests müssen die nicht erfolgreich teilgenommenen Labore gegenüber QS darstellen, welche Maßnahmen sie zur Fehlerbehebung ergreifen. Im Rahmen eines jährlich stattfindenden Laborleiter-Treffens können die Labor-Verantwortlichen zusätzlich dazu in einen fachlichen Austausch mit QS, Fachexperten und anderen beteiligten Laboren treten, um sich über die Testdetails auszutauschen und um über analytische Problemstellungen zu diskutieren.

Ist ein anerkanntes Labor im Kompetenztest durchgefallen, muss es am nächsten Test teilnehmen und diesen erfolgreich absolvieren. Im Falle eines erneuten Nichtbestehens wird ihm die QS-Anerkennung entzogen, das ist vertraglich geregelt. Das Labor darf dann keine Untersuchungen im QS-Rückstandsmonitoring mehr durchführen. Frühestens sechs Monate nach dem Ausschluss darf das Labor sich wieder um eine erneute Anerkennung bemühen. Voraussetzung dafür ist eine erneute Dokumentenprüfung, ein Labor-Audit sowie die erfolgreiche Teilnahme an einem Laborkompetenztest.

Durch diese Vorgehensweise stellt QS sicher, dass alle am Rückstandsmonitoring beteiligten Labore die an sie gestellten Anforderungen fortlaufend erfüllen und nachhaltig auf gleichbleibend hohem Niveau arbeiten. Denn alle Wirtschaftsbeteiligten und auch die Verbraucher müssen sich jederzeit auf korrekte Laborergebnisse verlassen können.

Quelle: QS, Willem Jüngst

Veröffentlichungsdatum: 08.08.2014

Schlagwörter

Laborkompetenztest, QS, Rückstandsanalytik, Rückstandsmonitoring