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Gentechnik-Dilemma für die EU

05. März 2019

Seit dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) aus Juli 2018 fallen genomeditierte (GE-) Pflanzen unter die Gentechnik-Gesetze. Sie dürfen in der gesamten EU nur dann aufs Feld oder als Lebens- oder Futtermittel auf den Markt gebracht werden, wenn sie dafür zugelassen sind. Wenn nicht, sind sie strikt verboten.

Bildquelle: Shutterstock.com Gentechnik Pflanz
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Jeder Fund einer in der EU nicht zugelassenen Pflanze führt dazu, dass die entsprechende Agrarlieferung – auch eine ganze Schiffsladung – nicht verkehrsfähig ist und an den Außengrenzen zurückgewiesen wird („Nulltoleranz“), so der Deutsche Fruchthandelsverband e.V. (DFHV).

Vor diesem Hintergrund hat sich die Info-Plattform „transgen.de“ in einem ausführlichen Artikel mit den Folgen des Urteils befasst. Hauptproblem ist, dass bei GE-Pflanzen auch mit extrem sensiblen Analyseverfahren nicht nachweisbar ist, ob eine Pflanze oder ein Produkt daraus mit GE-Verfahren verändert wurde. Damit steht Europa vor einem Dilemma: Die großen Agrarländer außerhalb der EU, USA, Kanada, Brasilien, Australien und weitere Länder, haben sich für einen differenzierten Umgang mit GE-Pflanzen entschieden: Sind nur einzelne DNA-Bausteine umgeschrieben und keine fremde DNA eingefügt worden, werden diese Pflanzen wie konventionell gezüchtete eingestuft. Eine besondere Zulassung benötigen sie nicht, sie können ohne Auflagen angebaut und vermarktet werden. In Europa sind dieselben GE-Pflanzen hingegen ausnahmslos verboten. In den USA werden bereits GE-Raps und Sojabohnen mit neuen Eigenschaften angebaut, weitere Pflanzen, wie Kartoffeln, folgen.

Auch wenn diese neuen Pflanzen nicht für den Export gedacht sind, ist es kaum vermeidbar, dass es zu zufälligen Beimischungen in Agrarlieferungen nach Europa kommt. Eine Kontrolle dieser Importe auf „unbekannte genom-editierte Lebensund Futtermittelprodukte ist nicht möglich“, so das lapidare Fazit der Gemeinsamen Forschungsstelle der EU-Kommission. Vor diesem Hintergrund fordern zahlreiche Wissenschaftler eine Reform des Gentechnik-Rechts – diesmal nicht nach juristischen, sondern wissenschaftlichen Grundsätzen.

Quelle: DFHV Newsletter aktuell 2/2019
 

Veröffentlichungsdatum: 05.03.2019

Schlagwörter

Gentechnik, Dilemma. EU