Wittenberg Gemüse / Elite Frische Service GmbH

Erzeugerpreise Bio-Gemüse bleiben hoch

05. Dezember 2018

200 Erzeuger, Vermarkter und Händler trafen sich in Visselhövede. Sie sprachen über aktuelle Marktzahlen und neue Forschungsergebnisse. Und sie diskutierten über die Herausforderungen des schwierigen Erntejahres 2018.

Foto © Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen

Zum dritten Mal veranstaltete das Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen das Bio-Fachforum Gemüse und Kartoffeln. Ziel des Forums ist es, Erzeuger und Abnehmer miteinander ins Gespräch zu bringen. Foto © Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen

Der Frische-Absatz von Bio-Gemüse im Lebensmittelhandel wächst seit Jahren. Dabei ist Regionalität gefragt, und die Importanteile sind hoch. Vor diesem Hintergrund diskutierten 200 Marktexperten, Bündler, Händler und Erzeuger über Anbau, Lagerung, Markt und Vermarktung. Sie kamen aus dem deutschsprachigen Raum und den Niederlanden nach Visselhövede zum „3. Bio-Fachforum Gemüse und Kartoffeln“ des KÖN.

Bio-Möhren vor Bio-Erbsen vor Bio-Spargel. Die Bio-Gemüse-Anbaufläche in Deutschland ist von 2016 auf 2017 um 1050 ha auf 13.700 ha gewachsen. Die größten Bio-Anbauflächen in Deutschland belegen Möhren, 2.100 ha. Mit je 1.300 ha folgen Erbsen, Spargel, Kürbis, dann Zwiebeln mit 900 ha.

Niedersachsen auf Platz drei mit 1.870 Hektar. Die Reihenfolge der Top-Bio-Gemüsekulturen spiegelt sich auch in den niedersächsischen Anbauflächen 2018 wider: Bio-Möhren, 410 ha; Bio-Zwiebeln, 190 ha; Bio-Freiland-Fruchtgemüse 170 ha; Rote Bete 170 ha; Bio-Spargel 150 ha und 140 ha Bio-Kohl.

Bio-Möhren in der Gemüseabteilung. Die AMI berichtet: Die deutschen Verbraucher 2017 72.000 Tonnen Bio-Möhren. Bio-Möhren haben mit 20 Prozent den höchsten Bio-Anteil bei Frischgemüse. Mit 14 Prozent haben sie auch den höchsten Anteil am Öko-Gemüseumsatz. Knapp 60 Prozent der Bio-Möhren im Frischsortiment stammen aus Deutschland. Ein Fünftel aus Niedersachsen. Importe kommen aus den Niederlanden, Israel, Dänemark und Spanien.

Umstellung lohnt sich, wenn der Boden passt. Johannes Blum vom Bündler „Brocker-Möhren“: Die knappe Ernte und witterungsbedingt weniger gute Lagereigenschaften der Ernte 2018 lassen weiterhin feste Preise erwarten. Mit Blick auf den hohen Importanteil haben Landwirte gute Absatzchancen, wenn sie geeignete Böden haben. Bei Möhren spielt Verbandsware eine untergeordnete Rolle. Die Verbraucher kaufen Bio-Möhren im Discounter. Für den ist der Preis ausschlaggebend. Das kann sich durch die Pläne eines großen Discounters (Lidl), der mit einem Öko-Anbauverband (Bioland) kooperieren wird, möglicherweise ändern.

Deutsche Zwiebeln halten hohen Preis. Reinhard Meyer vom ÖkoKontor Uelzen: Die Bio-Zwiebelernte 2018 ist annehmbar. Die großen Erzeuger in Niedersachsen haben Beregnungsanlagen. Man muss die Niederlande im Blick behalten. Wegen moderner Produktions- und Lagertechnik können sie günstig produzieren und Ware bis Juni anbieten. Dr. Hans-Christoph Behr: Der Preis für Bio-Zwiebeln wird hoch bleiben.

Rosenkohl schwierig im Anbau, aber gesucht. Rainer Carstens, Erzeuger, Westhof, Friedrichsgabekoog: Rosenkohl ist eine sehr anspruchsvolle Kultur, eine Kohlart für Spezialisten. Es gibt wenige Erzeuger, die Rosenkohl – wegen des Pilzdrucks – auch optisch gut hinbekommen. Markus Kirschnick, Ökoservice, Berlin: Besonders in der Verarbeitung zu Tiefkühlgemüse wird Bio-Rosenkohl sehr gesucht.

Konserven haben großen Bio-Nachholbedarf. AMI: Der umsatzbezogene Bio-Anteil bei Tiefkühl-Gemüse ist 8,3 Prozent. Zum Vergleich, der Bio-Anteil bei Frischgemüse ist 9,8 Prozent. Nachholbedarf haben Konserven mit einem Bio-Anteil von 2,7 Prozent.

Kartoffeln leiden unter dem Sommer. Christine Rampold, AMI: Die Verbraucher-Nachfrage nach Bio-Kartoffeln wuchs in den ersten drei Quartalen 2018 gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres um 2,8 Prozent. Mehr Bio-Kartoffeln wurden im Vollsortimenter und im Discounter gekauft. Mit 56 Euro pro Tonne franko Packbetrieb liegen die Erzeugerpreise in der 44. Kalenderwoche 2018 sieben Euro unter dem hohen Preis von 2016. Im Wirtschaftsjahr 2017/2018 wurden 16 Tausend Tonnen Bio-Kartoffeln sowie 29 Tausend Tonnen Bio-Frühkartoffeln importiert. Das ist rund ein Drittel der Speisekartoffeln. Bedeutende Importländer für Bio-Speisekartoffeln sind Österreich mit sechstausend Tonnen und die Niederlanden mit neuntausend Tonnen.

Niedersachsen: Bei Bio-Kartoffeln ganz vorne. Auf 3,6 Prozent der deutschen Kartoffelfläche wachsen Bio-Kartoffeln. Niedersachsen hat 2.400 Hektar. Jede vierte deutsche Bio-Kartoffel stammt aus Niedersachsen. Die Fläche vergrößert sich weiter, auch durch Umstellung. Von 2017 auf 2018 sind in Niedersachsen 65 ha Bio-Kartoffelfläche dazugekommen.

Lebensmitteleinzelhandel will hellschalige Kartoffeln. Reinhard Meyer vom ÖkoKontor: Wegen der Trockenheit 2018 werden rund 30 Prozent der Kartoffeln aussortiert werden. Problem 2018 ist die schlechte Lagerfähigkeit der Kartoffeln wegen des erlittenen Hitzestresses. In den nächsten Jahren werden in Niedersachsen wegen Umstellung weitere Bio-Kartoffeln dazukommen. Der Markt wird sich wahrscheinlich weiter differenzieren in hellschalige Kartoffeln, die als Speiseware in den Lebensmittelhandel gelangen, während die dunklen Kartoffeln in die Verarbeitung gehen werden.

Das nächste „Bio-Fachforum Gemüse und Kartoffeln“ des KÖN ist voraussichtlich am 5. November 2019.

Lesen sie mehr auf www.oeko-komp.de.

Quelle: Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen

Veröffentlichungsdatum: 05.12.2018

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