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BLE: Marktschwärmer - Ein neuer Weg in der Direktvermarktung

03. Januar 2018

Seit 2014 gibt es in Deutschland eine neue Form der Direktvermarktung von Lebensmitteln. Sie heißt Marktschwärmer. Das Konzept ist simpel: Verbraucherinnen und Verbraucher bestellen via Internet Lebensmittel von Erzeugerbetrieben aus der Region und holen diese einmal pro Woche auf einem Markt in ihrer Nähe ab.

Bildquelle: Shutterstock.com Markt
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Der Markt nennt sich in diesem Fall "Schwärmerei" und funktioniert etwas anders als der übliche Wochenmarkt. Denn die Erzeugerbetriebe bringen dorthin nur das mit, was vorher bei ihnen bestellt wurde. Und die Käuferinnen und Käufer? Sie brauchen weder Einkaufszettel noch Bargeld oder Kreditkarte. Denn das was sie mitnehmen, haben sie zuvor online bestellt und bezahlt.

Marktschwärmer ist die deutsche Bezeichnung einer Initiative, die 2011 in Frankreich von einem Social Startup-Unternehmen unter dem Namen "La Ruche qui dit Oui" ('Der Bienenkorb, der Ja sagt') geboren wurde. In Frankreich haben sich seitdem mehr als 700 Marktschwärmereien gegründet, einige sogar mit mehr als 2.000 Mitgliedern, das heißt, regelmäßig einkaufenden Menschen. In Deutschland gibt es aktuell 41 Schwärmereien, 68 weitere sind im Aufbau.

Lohnt sich das für die Landwirtinnen und den Landwirte?

Für Betriebe die vermarktungsfähige Produkte für die Endkundschaft erzeugen und in vertretbarer Entfernung zu einer Schwärmerei liegen, kann Marktschwärmer eine interessante Alternative sein.

Warum geht das Konzept so gut auf?

Marktschwärmer kommt deshalb so gut an, weil das Konzept den Bedürfnissen einer immer größer werdenden Verbrauchergruppe gerecht wird: Bestellen, wann und wo man will, möglichst schnell und unkompliziert über Handy, Tablet oder Laptop. Außerdem entspricht das Angebot dem immer größer werdenden Wunsch nach Lebensmitteln aus nachhaltiger, regionaler Erzeugung. Überzeugend für viele ist auch, dass man als Bestellerin oder Besteller bei Marktschwärmer keinerlei Verpflichtungen eingeht. Es gibt keine Mitgliedsgebühren, kein Abo und keine Mindestbestellmengen. Und da man bei der Onlinebestellung bereits bezahlt, geht es bei der Abholung nicht mehr ums Geld. Dadurch bleibt allen Parteien letztlich mehr Zeit zum gegenseitigen Kennenlernen und Austauschen.

Wie nachhaltig ist die Marktschwärmerei?

Egal ob Landwirtschaft, Gartenbau oder Lebensmittelhandwerk. Bei Marktschwärmer erhalten insbesondere kleine und mittlere Betriebe einen fairen Zugang zum Markt. Das erhöht die lokale Wertschöpfung und lässt alternative Netzwerke jenseits der großen Märkte entstehen. Marktschwärmer legt zudem Wert auf faire Preise und ein hohes Maß an Transparenz.

Sehr wichtig: Das Konzept setzt auf regionale Lebensmittelerzeugung und kurze Transportwege. Dadurch werden Umwelt und Klima geschont. Zugekaufte Produkte anderer Erzeugerinnen und Erzeuger dürfen nicht über Marktschwärmer verkauft werden. Die durchschnittliche Entfernung zwischen Erzeugung und Schwärmereien liegt nach Angaben der Organisatoren bei rund 28 Kilometern. Die Schwärmereien liegen häufig an zentral gelegenen Orten, die von den meisten Verbraucherinnen und Verbrauchern gut zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erreichen sind. Dadurch entfallen Fahrten zum Hofladen, die Kundinnen und Kunden häufig mit dem Auto erledigen.

Ein weiteres Plus: Durch die Vorbestellung aller Nahrungsmittel wissen die Erzeugerinnen und Erzeuger im Voraus genau, wie viel Ware sie mit zur Schwärmerei bringen müssen. Unverkaufte Lebensmittelreste, wie sie auf gewöhnlichen Märkten häufig vorkommen, können dadurch fast vollständig vermieden werden.

Öko ist kein Muss, aber gewünscht

Die ökologische Erzeugung der Lebensmittel ist keine Voraussetzung, um Produkte über Marktschwärmer anbieten zu können. Die Organisation überlässt es damit den Einkaufsgemeinschaften vor Ort, welchen Stellenwert Ökoprodukte in ihrem Erzeugerkreis einnehmen. Die Onlineplattform bietet jedoch die Möglichkeit, gezielt nach Ökobetrieben zu filtern. Gut sichtbare Label machen schnell kenntlich, ob es sich um Bioware handelt, die nach EU-Rechtsvorschriften oder nach Ökoverbandsrichtlinien erzeugt wurde. Nach Aussagen der Initiatoren von Marktschwärmer liegt der Anteil der ökologischen Erzeugerbetriebe aktuell bei 31 Prozent. Einige Anbieter befinden sich noch in der Umstellung, sodass davon auszugehen ist, dass sich der Anteil der biozertifizierten Betriebe in absehbarer Zeit erhöht.

Ökoverbände begrüßen das Konzept

Der ökologische Anbauverband Demeter befürwortet das Konzept: Marktschwärmer sei eine sinnvolle Ergänzung oder Alternative zu Hofladen, Marktstand oder Abokiste und könne für bestimmte Regionen und Betriebe ein Erfolgsmodell sein. Besonders positiv sieht Demeter den intensiven Austausch zwischen Erzeugerinnen und Erzeugern und Kundschaft. Auch Naturland steht dem Konzept positiv gegenüber. So stelle Marktschwärmer, ähnlich wie das Konzept Solidarische Landwirtshaft, einen spannenden und kreativen Ansatz dar, wie die Land- und Lebensmittelwirtschaft hin zu mehr Ökologie und Nachhaltigkeit umgestaltet werden könne.

Mehr Informationen auf www.oekolandbau.de

Quelle: BLE/ BZL - Bundesinformationszentrum Landwirtschaft

Veröffentlichungsdatum: 03.01.2018

Schlagwörter

Marktschwärmer, Direktvermarktung, Regional, Online