Wittenberg Gemüse / Elite Frische Service GmbH

Bioläden als Nahversorger - Chancen

17. Februar 2015

Der Begriff Nahversorgung gewinnt an Bedeutung, und das nicht nur im ländlichen Gebiet. Mehr und mehr klassische Nahversorger, vor allem das Lebensmittelhandwerk und familiengeführte Lebensmittelunternehmen, ziehen sich in den sogenannten strukturschwachen Gebieten aus dem Markt zurück. Fehlende Nachfolger oder auch Konzentrationsprozesse durch starken Wettbewerb sind die Gründe. Auch der Lebensmitteleinzelhandel verlässt ungünstige Standorte in Innenstädten, Dörfern und Stadtteilzentren. Stattdessen siedelt er sich in Gewerbegebieten und auf der "grünen Wiese" mit ausreichend Parkplätzen an. Das Nachsehen im ländlichen Raum haben Menschen, deren Mobilität aus den unterschiedlichsten Gründen eingeschränkt ist.

Welche Chancen eröffnen sich für den Naturkosthandel?

Im Gegenzug besetzen viele Bioläden solche Standorte, die für die großen Filialisten unattraktiv geworden sind. Mancherorts sind sie dann sogar der letzte verbliebene Lebensmittelladen. Kann folglich die Naturkostbranche vom Rückzug des konventionellen Einzelhandels profitieren? Eine eindeutige und für jeden Standort gültige Antwort gibt es nicht. Klar ist: Neben den überzeugten Biokunden tragen auch solche Verbraucherinnen und Verbraucher zum Umsatz bei, die vor allem einen Lebensmittelladen in ihrer Nähe schätzen und keine Möglichkeit haben, mit dem Auto in die Supermärkte außerhalb zu fahren. Laut GfK GeoMarketing liegt die maximal akzeptierte fußläufige Entfernung zu einer Einkaufsstätte zwischen fünf und acht Minuten, was einer maximalen Distanz von weniger als einem Kilometer entspricht. Wie groß der Anteil dieser Kundinnen und Kunden ist, hängt allerdings jeweils stark vom Standort oder der Positionierung des Geschäftes ab. Der Anteil kann bis zu 20 Prozent betragen, aber auch gegen null gehen. Prädestiniert sind vor allem dörfliche und kleinstädtische Strukturen mit einer Bevölkerungszahl unter 10.000 Einwohnern. Die nächste konventionelle Einkaufsmöglichkeit kann hier durchaus ein paar Kilometer entfernt liegen. Aber auch in kleineren bis mittleren Städten (zwischen 25.000 und 50.000 Einwohner) sind die Einkaufsmöglichkeiten für Lebensmittel in innenstadtnahen Lagen oft bedenklich ausgedünnt.

Womit Bioläden punkten können

Punkten können Bioläden, vor allem inhabergeführte, mit hoher Servicequalität, persönlichem Ambiente und der guten Beziehung, die zwischen Stammkundschaft und Verkaufspersonal entsteht. Auch das kompakte, gut überschaubare Angebot qualitativ hochwertiger Waren zieht an. Das Vertrauensverhältnis, das hier entsteht, stärkt den Standort des Bioladens als Nahversorger und Nachbarschaftsladen.

Eine zusätzliche Marktchance bietet das Thema Nahversorgung schon etablierten Hofläden, insbesondere im ländlichen Raum. Mit einer noch stärkeren Ausrichtung auf ein überschaubares Angebot, neben den eigenen Produkten auch ein Basissortiment mit den notwendigen Grundnahrungsmitteln und Artikeln für den täglichen Bedarf, kann sich der Hofladen als Vorreiter für das Thema Nahversorgung etablieren. Eine Chance für den Einzelhandel Auch Einzelhändler wie zum Beispiel Rewe haben dieses Potenzial für den städtischen Raum längst erkannt: Mit dem Konzept "Temma" (www.temma.de) werden gezielt Biomärkte mit regionalen Produkten in kaufkräftigen Stadtvierteln eröffnet. Ein weiteres Beispiel sind die Märkte von "Aleco – alles ökologisch" (www.alecobio.de) in Norddeutschland. In bereits 15 Filialen besetzen sie leerstehende Verkaufsstellen von Discountern in Innenstädten und versorgen so die Anwohner mit Biolebensmitteln. Ein weiteres Konzept ist das "Lädchen für alles" des Handelsunternehmens tegut… in Hessen, das für Flächen um die 100 Quadratmeter konzipiert wurde und ein überschaubares Basisangebot an Grundnahrungsmittel anbietet.

Quelle: oekolandbau.de

Veröffentlichungsdatum: 17.02.2015

Schlagwörter

Bioläden, Nahversorger, Chancen, Naturkosthandel