Erste biodynamisch gezüchtete Sorten bei Gemüse und Getreide zertifiziert
Demeter-Gärtner entwickeln seit über 20 Jahren biodynamische eigene Gemüsesorten. Auch bei Getreide gibt es Züchtungen von neuen Sorten, die von Anfang an nach den Grundprinzipien dieses konsequenten ökologischen Landbaus kultiviert werden. So sind Züchter im ältesten ökologischen Anbauverband, bestrebt, mehr und mehr Unabhängigkeit von der Saatgutindustrie zu erreichen. Als einziger Bio-Verband hat Demeter 2008 Richtlinien für Pflanzenzüchtung formuliert. Nun konnten die ersten biodynamisch gezüchtete Sorten zertifiziert werden: 25 Gemüsesorten, die auf den Verein Kultursaat e.V. in Bingenheim angemeldet sind, und zwei Getreidesorten des Züchters Dr. Karl-Josef Müller in Darzau.
Sie erfüllen die Anforderungen der Züchtungsrichtlinien, die gemeinsam mit der Assoziation biologisch-dynamischer Pflanzenzüchter entstanden sind. Dazu gehört etwa die Transparenz der Sortenentwicklung. Die bereits vor Jahren gezüchteten Sorten, die auch beim Bundessortenamt zugelassen sind, konnten die Demeter-Anerkennung durch eine nachträgliche Überprüfung an Hand der ausführlichen Dokumentation erlangen.
Die neuen Sorten werden auf Demeter-zertifizierten Feldern und Gärten gezüchtet. Bei der Selektion wird gezielt auf Vitalität, Geschmack und Bekömmlichkeit hin gearbeitet. Die biodynamischen Sorten tragen Namen wie Goldblumenweizen oder Lichtkornroggen, Milan als Möhrensorte, Weißkohl Donator, Knoblauch Frolia, Salatgurke Helena oder Rote Bete Robuschka.
Sorten mit cytoplasmatischer männlicher Sterilität – CMS-Saatgut also – sind bei Demeter bereits seit 2005 für die Verwendung im Anbau ausgeschlossen. Öko-Saatgut, das nach der EU-Bio-Verordnung auf Bio-Höfen eingesetzt werden soll, darf durchaus von Sorten aus konventioneller Züchtung stammen. Es muss lediglich ein Jahr lang ökologisch angebaut worden sein. „Das entspricht lediglich einer Vermehrung“, kritisiert Dr. Jochen Leopold, Richtlinienexperte bei Demeter. Der ganze Bereich der Züchtung eigener Sorten unter ganzheitlich-ökologischen Gesichtspunkten ist bislang in den europäischen Richtlinien zum Öko-Anbau nicht geregelt.
Quelle: Demeter
Veröffentlichungsdatum: 01.09.2010
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