Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter

Schweizer Kartoffelproduzenten: Grosse Ernte und schwieriger Markt

26. Februar 2015

Die Schweizer Kartoffelproduzenten blickten an ihrer Mitgliederversammlung am 24. Februar, auf ein ertragsreiches, aber schwieriges Jahr 2014 zurück. Dass der Markt in der EU noch härter ist, zeigte sich am Referat von Ferdi Buffen, Geschäftsführer eines der grössten deutschen Händler, so der Landwirtschaftlicher Informationsdienst Lid.

Unter besten Bedingungen konnten vergangenes Jahr bis Anfang Mai praktisch alle Kartoffeln gepflanzt werden und die Ernte fiel äusserst hoch aus. Allerdings führen grosse Ernten immer zu Schwierigkeiten bei der Vermarktung, was sich auch in einem empfindlichen Preisrückgang zeigt. Angesichts der vollen Lager sorgten die Importe von Raclette-Kartoffeln durch die Migros in der Branche für Unverständnis in der Branche und waren dementsprechend auch an der Delegiertenversammlung in Kirchberg ein Thema. Ruedi Fischer, Präsident der Vereinigung Schweizer Kartoffelproduzenten (VSKP), betonte auf Nachfrage eines Anwesenden, dass man sich nun dafür einsetzen werde, dass keine Zusatzkontingente für Kartoffel-Importe gesprochen werden, so Lid.

Ansonsten verlief die Mitgliederversammlung ohne Diskussionen und sämtliche Punkte auf der Traktandenliste wurden einstimmig gutgeheissen, darunter auch ein Rückbehalt für Branchenbeiträge in der Höhe von 1.20 Franken pro 100 Kilo Kartoffeln.

Für weitere vier Jahre in den Vorstand gewählt wurden Christoph Frei (Aesch), Ueli Kirchhofer (Ins) und Markus Stoos (Wileroltigen). Befristet für ein Jahr wiedergewählt wurde Ueli Vogt (Lupfig), der aufgrund der Amtszeitbeschränkung nicht mehr ordentlich wiedergewählt werden konnte. Da jedoch noch kein passender Nachfolger gefunden worden ist, entschied sich der Verband für diese Lösung. Aus dem Vorstand verabschiedet wurde Michel Luegon (Daillens). Sein Sitz bleibt vorerst vakant.

Knallharter Markt in der EU

Im Anschluss an den offiziellen Teil hielt Ferdi Buffen, Geschäftsführer des Kartoffelhändlers Wilhelm Weuthen GmbH, ein Referat über den Kartoffelmarkt in der EU. Dabei zeigten sich massive Unterschiede zur Schweiz. "Ein Branchenbeitrag, wie ihr in heute beschlossen habt, wäre bei uns unmöglich", sagte Weuthen, laut Lid. Man habe sich erst kürzlich nicht auf einen Beitrag von 2,5 Cent pro Tonne für Werbemassnahmen einigen können. Auch Definitionen sind in der EU andere: Buffen betonte, dass sein Unternehmen mit Kartoffeln aus der Region handle. Die Region besteht aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden.

Dies verdeutlicht den knallharten Markt, in dem sich die Kartoffelbranche in der EU derzeit bewegt. Buffen nannte das sogenannte HAFPAL-Gebiet (die Linie Hamburg, Frankfurt, Paris, Bristol, Hull, Amsterdam) ein Kriegsgebiet zwischen den EU-Firmen und jenen aus Nordamerika, daran beteiligt auch McCain, der grösste Player der Branche. Er sieht insgesamt für die europäischen Player aber einige Vorteile gegenüber der Konkurrenz aus Übersee. So liegen die Kontraktpreise tiefer als in den USA und die meisten Fabriken befinden sich in der Nähe wichtiger Seehäfen wie Antwerpen oder Rotterdam. Zudem sind die Exporte aufgrund der Seehäfen günstig. "Eine LKW-Ladung Kartoffeln nach Argentinien zu exportieren ist günstiger als nach Sevilla", sagte Buffen. In den USA sind viele Fabriken weit von den Häfen entfernt, zudem wurden grosse Häfen kürzlich bestreikt, was dazu führte, dass in Japan bei McDonald's die Pommes Frites ausgingen. Bei den Amerikanern ortet Buffen allerdings Vorteile aufgrund der konstanten Verkaufspreise und der konstanten Menge, so der Bericht.

Den Schweizern riet Buffen, die Markt-Mauer um die Grenze möglichst hoch und stark zu halten. "In der EU regelt im Gegensatz zur Schweiz alles der Markt", so Buffen.


Quelle: Lid.ch

Veröffentlichungsdatum: 26.02.2015

Schlagwörter

Schweiz, Kartoffel, Produzenten, Ernte, Schwierig, Markt