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Südtirol - Obstbautagung: „Ihr seid mit die Besten in Europa“

30. Januar 2015

Das abgelaufene Jahr war ein schwieriges Jahr für Südtirols Obstwirtschaft. Das spiegelt sich auch in der Vermarktung wider. Wie darauf reagiert werden kann, diskutierten Fachleute bei der diesjährigen Obstbautagung im Meraner Kursaal. Ein gutes Zeugnis stellt Helwig Schwartau der Südtiroler Obstwirtschaft aus: „Sie sind mit unter den Besten in Europa“, gab er neidlos zu. Balsam für alle, die zur diesjährigen Obstbautagung nach Meran gekommen waren. 

SBB obstbautagung suedtirol
Das Thema Nachhaltigkeit in aller Munde: Der Schweizer Heinrich Höhn stellt das Forschungsprojekt endure vor. Foto: SBB.it

Angespannte Marktlage

Denn die derzeitige Lage ist angespannt: Eine Rekordernte 2014, die einhergeht mit hohen Erntemengen im gesamten Europa, dabei stagnierender Apfelkonsum, Polen als stark wachsender Apfelproduzent, der mit billigen Preisen die Märkte überschwemmt, und das russische Embargo, das die Situation noch verschärft. 
Soweit, so bekannt. Was aber kann Südtirols Obstwirtschaft tun, um weiterhin erfolgreich am Apfelmarkt mitzumischen?

Top-Qualitäten und hochpreisliche Sorten

Zunächst gelte es, beste Qualität zu erzeugen, ist Schwartau überzeugt. Er ist Experte  bei der Agrarmarkt Informationsgesellschaft (AMI) in Hamburg und weiß bestens Bescheid über die globalen Marktströme und die Anforderungen, die der Markt stellt. Auch der Sortenspiegel müsse passen, erklärte Schwartau, und unterstrich die Wichtigkeit zweifarbiger Sorten. Zudem wies er auf die Bedeutung von hochpreislichen Sorten, insbesondere der Clubsorten, hin. Vor allem die Sorte Envy ® legte er den Anwesenden ans Herz.  „Vielleicht ist der ja unsere nächste cash cow?“, fragte er salopp ins Publikum.
Südtirol biete zum einen beste Qualität und habe auch beim Sortenspiegel, trotz der Hauptsorte Golden Delicious, Innovationsgeist bewiesen und sich damit Märkte gesichert und andere neu geöffnet. 

Neue Märkte erschließen

Das nämlich sei laut Schwartau die dritte Säule, auf der eine erfolgreiche Obstwirtschaft aufbauen müsse. „In arabische Länder und Nordafrika auszuweichen, nachdem die klassischen Märkte schwieriger wurden, war eine gute Strategie“, erklärte er. In diesen Märkten gebe es noch Potential. Als neue Märkte könne er sich für Südtirol besonders die west- und ostafrikanischen Länder vorstellen, die besonders für den Golden attraktiv sein könnten. Auch Indien und andere asiatische Destinationen wie China, Malaysia, Bangladesch hätten viel Potential, ihre Versorgung sei aber schwierig, weil die Handelswege lang und die Auflagen extrem hoch sind. 

IP mit Potential

Lobende Worte kamen auch von Landesrat Arnold Schuler, als er die Tagung eröffnete:
„Südtirols Obstwirtschaft ist gut aufgestellt: Wir produzieren gute Qualitäten, sind genossenschaftlich gut organisiert, kooperieren über VOG, VI.P und From erfolgreich, sind in Forschung und Beratung vorne mit dabei und auch in puncto Ökologisierung Vorreiter.“ Trotzdem gebe es gerade im Bereich der integrierten Produktion noch Potential. 
Das Thema Abdrift ist ein heißes Eisen. „Fakt ist,“ erklärte Schuler lapidar, „ Rückstände haben außerhalb der Anlagen nichts zu suchen!“ Deshalb habe man mit dem Nationalen Aktionsplan und den Landesrichtlinien klare Regeln zum Pflanzenschutz aufgestellt und werde sie auch rigoros überprüfen. 

In Mals nur Verlierer

Klare Worte fand Schuler auch zum Referendum in Mals: „Dort gibt es derzeit nur Verlierer“, stellte er bedauernd fest. Die Landwirtschaft habe sehr unter der Diskussion gelitten, der Gemeinderat und allen voran der Bürgermeister stehe geschwächt da, den größten Schaden habe aber die Bevölkerung: Zunächst seien falsche Erwartungen genährt worden, die nun nicht zu erfüllen sind. Man steht vor einem Scherbenhaufen. 

Nachhaltigkeit im Fokus

Heinrich Höhn von der Forschungsanstalt Wädenswil in der Schweiz stellte in seinem Fachvortrag ein Forschungsprojekt mit dem Namen endure (European Network for the durable Exploitation of crop protection strategies) vor. Dieses Projekt basiert auf fünf Ländern (Schweiz, Deutschland, Niederlande, Frankreich und Spanien) und verfolgt drei Ziele: Pflanzenschutzstrategien mit weniger Öko- und Humantoxizität vorzuschlagen, Wirkungen auf andere Nachhaltigkeitskriterien abzuklären und letztendlich eine entsprechende Methode zu entwickeln. 
Dazu testet man vier verschiedene Anbausysteme: Als Referenz dient die so genannte Baseline (GAP „chemisch“) mit schorfanfälligen Sorten, Resistenzmanagement und ohne alternative Pflanzenschutzmaßnahmen. Advanced 1 (GAP + alternative Methoden) umfasst den Anbau schorfresistenter Sorten, mit Pflanzenschutzmitteln niedriger Ökotoxizität, Hagelnetzen und Feuerbrandantagonisten und anderen alternativen Maßnahmen, während Advanced 2 alternative Maßnahmen und Rückstandsreduktion) zudem nach der Blüte biologische Fungizide, die Heißwassermethode nach der Ernte und die Totaleinnetzung einsetzt. Als viertes Szenario „Innovativ“ (aktuelle Forschungsansätze) mit multigen resistenten Sorten, Totaleinnetzung und Regenschutz sowie Verfahren wie attract and kill, entomopathogene Nematoden und andere innovative Methoden einsetzt.

Höhn zog eine kurze Bilanz der bisherigen Ergebnisse dieses Forschungsprojektes: So habe „Innovativ“ in allen drei Bewertungskriterien Ökotoxizität, ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit – teils sogar deutlich – besser abgeschnitten als Baseline. In der Ökotoxizität und der ökologischen Nachhaltigkeit sei dies auch für Advanced 1 und 2 festzustellen. Nicht aber in der ökonomischen Nachhaltigkeit, die sei in den Advanced-Varianten deutlich schlechter gewesen. Höhn musste allerdings zugeben, dass man in den einzelnen Ländern, die bei dem Projekt mitmachen, zu teils unterschiedlichen Ergebnissen und Folgerungen gekommen sei. Trotzdem könne laut Höhn insgesamt festgestellt werden, dass die GAP „chemisch“ ein großes Verbesserungspotential, insbesondere in der Ökotoxizität aufweise. Darüber hinaus habe sie aber auch andere Verbesserungen nötig, um die Gesamtnachhaltigkeit zu verbessern. 


Quelle: Südtiroler Bauernbund, Südtiroler Landwirt, von Renate Anna Rubner

Veröffentlichungsdatum: 30.01.2015

Schlagwörter

Südtirol, Obstbau, Tagung, Besten, Europa