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Lebensmittelhandel als Ramschladen24. Juli 2016

Vom Urlaub zurückgekehrt sehe ich mir in aller Ruhe die angesammelte Post durch. Die Geschäftspost zuerst, die Zeitungen flüchtig. Was noch bleibt, sind die Werbeaussendungen der einzelnen Lebensmittelhändler und Diskonter.

Wenn man mehr als eine Woche komplett aus dem Tagesgeschäft weg ist, dann sieht man auch das Angebot unserer Produkte im Regal mit neuen Augen. In diesem Punkt hatte ich beim Durcharbeiten der Post so meine Offenbarung, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte.

Acht oder neun Aussendungen vom Lebensmittelhandel waren dabei. Allesamt ohne Ausnahme bewarben in ihren bunten und übergroßen Werbeblättern die billigsten Produkte, die sie in ihren Regalen an zu bieten hatten. Noch billiger musste es sein. Nimm zwei – zahl eins, 25% Naturalrabatt, Dauertiefstpreis oder das Billigste, das es jemals gegeben hat! Es wird suggeriert, dass es sowieso nur Billigstprodukte zu einer standardisierten Mindestqualität gibt.

Dass eine „Geiz ist geil“-Mentalität auch bei der Ernährung nachhaltig so Fürchterliches anrichten kann, war mir in der Deutlichkeit nicht wirklich bewusst. All das, was ich zum Erhalt meines Lebens und meiner Gesundheit brauche, muss das Billigste vom Billigen sein. Es soll ja noch genug Geld im Monat für andere Dinge übrig sein, wo „Geiz ist geil“ keine Rolle spielt, sondern genau das Gegenteil wichtig ist. Eine doch ernüchternde Erkenntnis.

Kein einziger Artikel in all den Flugblättern wurde wegen seiner besonderen Qualität, wegen seiner Einzigartigkeit, wegen seines besonderen Wertes für die Gesundheit und das Wohlbefinden des Konsumenten beworben. Nur der billigste Preis zählt. So zu sagen Flugblätter für ganz arme Leute.

Über die Marge innerhalb der Wertschöpfungskette brauchen wir uns bei Billigstprodukten nicht zu unterhalten. Alle Beteiligten wechseln nur das Geld und jeder jammert, dass er nichts verdient. Eine interessante Beobachtung bei der Durchsicht der Flugblätter: die klassischen Lebensmittelhandelsketten haben immer mehr Non-Food-Artikel im Programm. Anscheinend verdienen sie bei ihrem Kerngeschäft, dem Lebensmittelhandel, nicht ausreichend.

So kann ein Urlaub nicht nur eine entspannte Phase sein, es kann auch der Wiedereintritt in alte Situationen ganz neue Perspektiven und spannende Sichtweisen eröffnen.

Fritz Prem 24/2016

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