Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter

Glashausbau08. November 2016

Es gibt wieder einmal eine große Debatte um den Bau eines Glashauses für eine Ganzjahres-Tomatenproduktion im Nordosten Österreichs. Bürgerinitiativen werden bemüht, Presse und Medien haben eine erfüllende Arbeit durch den Bericht um die Ereignisse. Der mögliche Blick auf die Basilika wird verbaut, kleinen Tomatenbauern wird möglicherweise die Existenzgrundlage entzogen und viele andere Interessen werden als Argument eingebracht.

Tomaten
Foto: Fritz Prem

Die Vorreiter in Europa in der Glashausproduktion waren die Niederländer. Sie haben ihr im Land vorkommendes Erdgas über die Glashausproduktion „veredelt“  und damit der Region und den darin lebenden Bewohnern mehr Wertschöpfung gebracht. Sie sind in Europa in diesem Sektor eine Marktmacht geworden – bis sie mit ihrer Sortenwahl einen strategischen Fehler begangen haben.

Im Großraum Wien, in Blumau und jetzt im Seewinkel entstehen neue Produktionsflächen. Wo steckt also die Strategie hinter den jüngsten Glashausbauten in Österreich? Es gibt vordergründig verschiedene Zugänge wie alternative Energie, viele natürliche Sonnenstunden, Arbeitskräfte in einer strukturschwachen Region, eine passable Unterstützung der lokalen Politik und so manche Dinge mehr.

Der wirkliche Hintergrund in diesem Wettrennen ist aber, dass in absehbarer Zeit die Vermarktung in diesem Sektor komplett neu aufgesetzt wird. Bisherige Kleinlieferanten, die nur saisonal liefern konnten, werden aus dem Angebotspool gedrängt werden. Das Argument, dass jeder der diese Veränderung erkannt hat auch die Chance hatte, seine Produktion an zu passen, steht im Raum.  Es geht aber hier um Investitionen, die um einige Potenzen höher sind, als ein kleiner Produzent bisher gewohnt war. Somit passieren die Investitionen dort, wo ein Eigenkapitalanteil, eine Finanzierung und die dazugehörigen Bonitäten aufgestellt werden können.

Davor haben viele der jetzigen Akteure Angst. Die bisher gelebte Praxis in diesem Geschäft wird es mit Sicherheit nicht mehr geben und in Zukunft die Anbieterseite komplett anders aussehen. Viele, die den sich abzeichnenden Wandel übersehen haben, sind jetzt frustriert.

Es gäbe dazu eine Reihe von geschichtsträchtigen Zitaten:
Wer zu spät kommt, den…
Nicht die Großen fressen die Kleinen, sondern…
Die bessere Strategie und die Wahl der Etappen siegen im…

Als unbeteiligter im Tomatengeschäft nehme ich trotzdem für mich selbst solche generellen Marktmechanismen immer wieder neu in meinen Erfahrungsschatz auf.

Fritz Prem 34/2016

KOMMENTARE (0) Artikel kommentieren