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Bauern und ihr Jammern09. November 2015

Es gibt einen Spruch: Bauern kaufen ihren Kindern immer Schuhe, die zu klein sind – damit sie von klein auf das Jammern lernen!

Die heutige Bauerngeneration hat mehr unternehmerisches Denken in ihrer Ausbildung mit bekommen. Sie weiß, wie wichtig gutes Image für eine Erfolgsgeschichte ist. Da hat dauerndes Schlechtreden nicht wirklich einen strategischen Platz. Nicht alle bäuerlichen Kollegen haben dies aber verinnerlicht.

Wer jammert, dem sollte man noch etwas wegnehmen – so eine alte Weisheit. Entweder jammert er, um von seinem Reichtum ab zu lenken und den Neid hintan zu halten. Oder aber es geht ihm wirklich schlecht, dann sollte der Geschäftspartner dazu  sehen, vor einer Insolvenz noch möglichst viel ins Trockene zu bringen.

Mit einer wirtschaftlich schlechten Situation eines Lieferanten ist es so wie bei kleinen Kindern: wirklich gefährlich wird es, wenn sie ruhig werden.

Ich beobachte meine landwirtschaftlichen Berufskollegen in anderen Sparten wie Milch, Schweine, aber auch gewisse Bereiche im Obst- und Gemüsesektor, die in einem längeren Konjunkturtief stecken. Viele sind auf dem Weg von der Phase des Jammerns bereits in die Phase der stillen Resignation.

Nicht das Artikulieren ihrer Situation stimmt mich bedenklich, sondern die tatsächlichen wirtschaftlichen Auswirkungen. Wenn wir uns die offiziellen Neuanmeldungs-Statistiken bei Traktoren ansehen, so sind diese um dramatische 30% zurück gegangen. Wenn man einen Beratungstermin bei der Stelle für Investitionsförderung im agrarischen Bereich haben möchte, so kann man morgen kommen. Früher waren hier ein bis zwei Wochen Mindestwartezeit. Die Fördervolumina in diesem Bereich sind noch länger nicht ausgeschöpft.

Ein sicheres Zeichen der wirtschaftlichen Potenz in der Obstbranche war die Situation, dass die Baumschulen im Herbst für die kommende Pflanzsaison ausverkauft waren. Momentan ist noch fast jedes Sortiment erhältlich.

Das Jammern weicht schön langsam einer stillen Immigration. Den Produzenten von Obst und Gemüse ging es in den letzten beiden Jahren durchaus nicht blendend.

Die Frage bleibt: Wer ist der Verursacher, dass bei den regionalen Produzenten jetzt ein tiefgreifender Strukturveränderungsprozess beginnt. Es fehlt die Kraft für Investitionen in die Zukunft. Dies in einem Land, das zu den reichsten Ländern der Erde zählt, in dem aber das Essen anscheinend immer weniger Wert hat und laufend noch billiger sein muss.

Prem 46/2015

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