Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter

Basar14. März 2017

Vorige Woche hatte ich die Möglichkeit, wieder einmal längere Zeit durch einen orientalischen Basar zu schlendern und mit Händlern verschiedenster Produkte des Alltags zu feilschen oder mit ihnen einen Kaffee zu trinken.

Ein Basar hat ganz eigene Spielregeln, die jedoch nicht so schwer zu ergründen sind.

Es gibt im Basar keine Konzentration im Lebensmittelhandel wie wir sie kennen, wo eine Handvoll LEH‘s 90% aller Lebensmittel verkaufen. Viele Händler und Händlerfamilien stellen die Nahversorgung auch in größeren Ballungszentren sicher. Die Grenze zwischen Groß- und Detailhandel verschwimmt. Ich habe zu meiner Überraschung nur frisches und knackiges Obst und Gemüse in den Ständen gesehen. Interne, aber ungeschriebene Spielregeln stellen dies sicher.

Eine dieser ganz besonderen Spielregeln liegt in der Qualitätssicherung. Wir in Europa haben Qualitätssicherungsprogramme, die Größtenteils von zertifizierten Unternehmen implementiert werden. Diese dokumentieren im Wesentlichen die Hygiene und die Rückstandsreduktionsprogramme. Um besonders glaubwürdig zu sein, prüfen und garantieren externe Firmen von Jahr zu Jahr genauer werdende Standards. Ein weitgehend gleiches Preisgefüge (siehe Flugblätter) ist sichergestellt. Alle haben die gleiche Mindestqualität, Verpackung und Logistik. Auch dies ist ein Ergebnis  unseres relativ sicheren Systems.

Ganz anders funktioniert der Basar. Es ist eine Beleidigung des Händlers, wenn man sich nicht die Mühe macht und um den Preis für sein Produkt feilscht. Nur damit kann er sein Produkt zusätzlich ausloben. Ich habe im ganzen Basar kein unreifes Obst gesehen. Der Händler im Basar kauft das Obst, das Gemüse, die Gewürze und all die anderen Dinge beim Vorlieferanten oder Produzenten seines Vertrauens. Für die Sicherheit des Produktes garantiert der Geschäftspartner. Es ist sogar so, dass der Händler am Basar in der Vergangenheit schon beim Vater oder der Familie des derzeitigen Lieferanten eingekauft hat. Sie alle sind mit ihrem Namen und ihrer Ehre für ein gutes und sauberes Produkt da gestanden, das Verhandeln des Preises erscheint mir eher als Ritual. Die Margen der Händler sind aber doch ordentlich.

Wieder zurück im Alltagsleben wird mir bewusst, dass wir diese Handschlagqualität eigentlich verloren haben. Wir brauchen einen externen Qualitätsmanager, der meist sogar von unseren Kunden beauftragt ist, damit eine Garantie und Sicherheit unserer Produkte bestätigt wird. Wo ist unsere eigene und persönliche Glaubwürdigkeit geblieben?

Fritz Prem 08/2017

KOMMENTARE (0) Artikel kommentieren