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Die ersten Erdbeeren in Schleswig-Holstein sind da - Verzögerte Abreife, aber besonders süße Früchte erwartet

16. Mai 2017

Am Vormittag des 11. Mai konnten auf dem Ziegelhof in Grömitz, Kreis Ostholstein, die ersten heimischen Erdbeeren aus dem Folientunnel/Folienhaus geerntet werden, hatten doch zuletzt die kühlen Temperaturen nach Ostern bis Anfang Mai für deutliche Ernteverzögerungen und mitunter sogar Blütenschäden von rund 10 % durch Frosteinwirkung geführt.


Bildquelle: Shutterstock.com

Die Wahl für den offiziellen Saisoneröffnungstermin von Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein und Obstbauversuchsring wurde bewusst nach hinten verschoben, um bei den Verbrauchern die Sehnsucht auf die süßen Früchtchen erst dann zu schüren, wenn es auch bei den heimischen Betrieben Erdbeeren gibt. 
 
Claus Heller, Präsident der Landwirtschaftskammer, betonte: „Nichts ist schlimmer als sich auf die reifen Früchtchen zu freuen und keine einkaufen zu können. Jetzt sind die Erdbeeren aus Schleswig-Holstein da, ähnlich spät wie im Vorjahr. Während es Anfang April schon schön warm gewesen ist, kam zu Ostern der Kälteeinbrauch. Nachtfröste haben den Blüten zugesetzt. Alle Anlagen mussten mit Vlies oder Folie geschützt werden. In den Folientunneln in Schleswig-Holstein konnte der Frost erfolgreich abgewehrt werden“, sagte Claus Heller. 
 
So kam die Kultur über den Winter

Ein Erdbeerjahr fängt immer im Herbst an, denn wenn die Tage kürzer werden, beginnen die Erdbeerpflanzen mit der Bildung von Blütenknospen. Der schöne September im vergangenen Jahr ließ die Erdbeeren hervorragend wachsen. Der Oktober war milde und hatte gute Bedingungen zur Blütenbildung. Allerdings kamen die ersten Fröste schon um den 9. November, die dazu geführt haben, dass die Blütenbildung vorzeitig beendet wurde. Es wurden also relativ wenig Blüten gebildet. Das bedeutet, dieses Jahr könnte es weniger Früchte geben, die aber sehr gut von den Pflanze versorgt werden können, so die Prognose der Landwirtschaftskammer: „Wir erwarten eine gute bis sehr gute Qualität an süßen Früchten“, so Präsident Claus Heller.

Leckeres Obst auf 1.000 Hektar

In Schleswig-Holstein produzieren 20 Betriebe auf 50 ha Erdbeeren in der sehr aufwendigen Produktionsweise im Folientunnel/Folienhaus. Die Anzahl der mit Folientunnel produzierenden Betriebe nimmt weiter zu und auch die Fläche steigt. Insgesamt sind es 84 Erdbeerbetriebe nach Angaben des Statistikamtes Nord und die Anbaufläche liegt bei 1.105 ha, davon 273 ha Neuanlagen Erdbeeren. 
 
Freilanderdbeeren frühestens Ende Mai

Bis die Erdbeeren auch im Freiland reif sind, wird es noch rund drei Wochen dauern (Ende Mai), je nach Witterung. Durch die in den vergangenen Wochen vorherrschenden Temperaturen und den kalten Wind haben sich im Freilandanbau ohne Verfrühung die Erdbeeren langsamer entwickelt. So beginnen in diesen Tagen erst mittelfrühreifende Sorten mit der Blüte und die späten Sorten zeigen im Herz der Pflanze die ersten Blütenstände. Wir rechnen dieses Jahr mit einer langen Erdbeerernte bis in den August hinein.
 
Folien schalten Wetterrisiken aus 

Im Folientunnel können Wetterrisiken weitgehend ausgeschaltet werden, sodass hier kontinuierlich bei jedem Wetter beste Qualitäten gepflückt werden. Die Folientunnel, die für  die Produktion von Erdbeeren benutzt werden, sind in ihrer Bauart recht einfach. Es ist kein Fundament, sondern alles wird mit ein paar Erdankern gehalten. Nach der Ernte wird der Tunnel abgebaut. Der Tunnel geht auf Wanderschaft und wird an anderer Stelle zur Verfrühung der Ernte für das kommende Jahr wieder aufgebaut. So nennen die Erdbeerbauer diese Tunnel dann auch „Wandertunnel“. Die Folie auf diesen Tunneln ist eine spezielle Folie, die sich besonders gut zur Verfrühung eignet. Je nach Ausführung der Folie hält diese ca. vier Jahre und wird dann zum Recycling gegeben.
 
Saisonprodukte immer früher gefragt 

Die Landwirtschaftskammer stellt fest, dass Verbraucher typische, heimische Produkte wie Spargel und Erdbeeren immer früher haben möchten. Nur mit dem Einsatz von Folien können die Landwirte hierzulande ein heimisches Angebot zum früheren Zeitpunkt der Importware aus dem Ausland entgegen stellen. Vorteil der hiesigen Produkte sind die absolute Frische und die kurzen Transportwege und die Unterstützung der heimischen Betriebe im Land. Auf allen direktvermarktenden Betrieben werden erhebliche Anbauflächen verfrüht. Mittlerweile sind es gut  30 % der Anbaufläche Erdbeeren (1.105 ha). 
 
Reich an Geschmack und gesund

Speziell gezüchtete frühe Sorten sind Flair und Clery. Sie sind sehr aromatisch im Geschmack und ergänzen das Sortenspektrum, welches weiterhin in Norddeutschland von der Frühsorte Honeoye geprägt wird. Erdbeeren kombinieren in idealer Weise leckeren Geschmack mit einem hohen Gesundheitswert: 100 g Erdbeeren haben nur 32 kcal. Erdbeeren sind damit Leichtgewichte beim Energiegehalt, aber Schwergewichte in Bezug auf ihre guten Inhaltsstoffe: Fünf bis sechs Erdbeeren reichen, um den Tagesbedarf an Vitamin C zu decken. Und auch Kinder, die ja manchmal Obstmuffel sind, machen bei Erdbeeren oft eine Ausnahme. 3,9 kg Erdbeeren wurden nach AMI Angaben 2016 pro Haushalt eingekauft.

Quelle: LK SH

Veröffentlichungsdatum: 16.05.2017

Schlagwörter

Erdbeeren, Schleswig-Holstein