Vorstand spricht sich für Servicestelle Lückenindikation aus
46. Herbsttagung des Deutschen Gemüsebaus fand vom 16. bis 19. November in St. Peter Ording statt
Auf Einladung des Gemüseanbauverbandes Dithmarschen e.V. und des Bauernverbandes Schleswig-Holstein e.V. fand die 46. Herbsttagung des deutschen Gemüsebaus vom 16. bis 19. November in St. Peter Ording in Schleswig-Holstein statt. Gerhard Schulz, Vorsitzender der Fachgruppe Gemüsebau im Bundesausschuss Obst und Gemüse (BOG), begrüßte zahlreiche Ehrengäste und Berufskollegen aus dem gesamten Bundesgebiet.
Thema EHEC bestimmte Vortragsveranstaltung
Unter dem Leitthema „Gemüse 2011 – geprägt durch EHEC“ stand die öffentliche Vortragsveranstaltung der Bundesfachgruppe Gemüsebau.
Andreas Lohff, Präsident des Gartenbauverbandes Nord (GVN) und Vizepräsident des Zentralverbandes Gartenbau (ZVG), sprach sich für verstärkte vertrauensbildende Maßnahmen zum Gemüseverzehr nach der EHEC-Krise aus. Die Verunsicherung des Verbrauchers sei immer noch zu spüren. Lohff appellierte an die Delegierten des deutschen Gemüsebaus, der Zukunftsinvestition Ausbildung eine große Bedeutung zu geben. Er lud zur kommenden Internationalen Gartenbauausstellung 2013 nach Hamburg herzlich ein.
Werner Schwarz, Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein e.V., forderte eine EUeinheitliche Entschädigung für die betroffenen Betriebe. Die Quelle des EHEC-Erregers sei leider sehr spät geortet worden. Die Gemüsebranche habe neben dem wirtschaftlichen auch einen Imageverlust erleiden müssen. Das Krisenmanagement der öffentlichen Behörden bezeichnete Schwarz als höchst dürftig.
Aus der Sicht des Bundesinstitutes für Risikobewertung (BfR) erläuterte Dr. Juliane Bräunig, dass dieser EHEC-Ausbruch der größte war, der jemals in Deutschland dokumentiert wurde. Er war auch weltweit der größte hinsichtlich der gemeldeten HUS-Fälle (Hämatolytisch- Urämische Syndrom). 53 Personen verstarben in Folge der Erkrankung. Fast 3.000 Fälle mit blutigem Durchfall und 855 HUS-Fälle wurden gemeldet. Besonders gefährlich war die vorhandene Mehrfachresistenz dieses EHEC-Erregers O104:H4. Die Untersuchungen lassen den Schluss zu, dass der Ausbruchserreger über importierten Bockshornkleesamen aus Ägypten eingetragen wurde. Die EU-Kommission hat die Einfuhrbeschränkungen für bestimmte Samen und Bohnen aus Ägypten bis zum 31. März 2012 verlängert.
Dr. Hans-Christoph Behr von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) stellte fest, dass die EHEC-Krise zu einem lang anhaltenden drastischen Preisverfall bei fast allen Frischgemüsearten geführt hat. Besonderes war die heimische Produktion mit dem Saisonbeginn im Mai dieses Jahres betroffen. Der Importstopp von Russland und der sehr kalte Juli verstärkten die angespannte Marktsituation zusätzlich. So wurden für Salatgurken und Eissalat Tiefstpreise registriert. Im Discounterbereich sind die Absatzmengen zurückgegangen. Der Ab-Hof-Verkauf und der Absatz von Bioware seien dagegen leicht gestiegen.
Zu einem Krisenmanagement und den Konsequenzen für QS unterstrich Wilfried Kamphausen, dass eine Krisenvermeidung durch Prävention unverzichtbar sei. Zur Vorbeugung gehöre zum Beispiel: Hygiene, Schulungen, Eigenkontrollen, Rückverfolgbarkeit, Kennzeichnungen etc. Die QS-GmbH als Dienstleister hilft, Gefahren abzuwenden, Krisen vorzubeugen und Klarheit in der Sache zu schaffen. Sie hat in der EHEC-Krise die Branche und die Systempartner mit ca. 3.000 Analysen und Kommunikationsarbeiten unterstützt. Alle Analysenbefunde wiesen keinen EHEC-Erreger auf.
Aktuelle Berichte zu Export und Servicestelle Lückenindikation
Christian Ufen, Vorsitzender des Gemüseanbauverbandes Dithmarschen e.V., zeichnete die Anbaustruktur der Gemüseflächen im nördlichsten Bundesland auf. Von den 6.000 ha Gemüseanbau befinden sich 4.500 ha allein in Dithmarschen. Die Hauptkultur in Schleswig-Holstein ist der Kopfkohl mit 3.400 ha, gefolgt von Möhren mit 1.000 ha und Spargel mit 450 ha.
Außergewöhnliche Erfahrungen beim Export von Weißkohl erlebte die Firma Gemüsegroßhandel Hansen GmbH. So berichtete Sören von Horsten darüber, dass zwar der Export nach Skandinavien berechenbar sei, der nach Russland aber überhaupt nicht. Letztere schwankten in den vergangenen Jahren zwischen 2.000 t und 14.000 t Weißkohl jährlich.
Die ersten Ergebnisse zur Energieeinsparung durch das Projekt ZINEG (Zukunftsinitiative Niedrigenergiegewächshaus) wurden von Dr. Wolfgang Graf, KTBL Darmstadt, präsentiert. Diese vorläufigen Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass eine Reduktion des Energieverbrauchs von bis zu 90 % gegenüber der aktuell üblichen Praxis technisch möglich erscheint. Die Summe verschiedener technischer Verbesserungen (Wärmeschutzverglasung, F-Clean Doppelfolie, Energieschirm, Kollektorgewächshaus etc.), die an verschiedenen Standorten im Bundesgebiet (Verbundvorhaben) wissenschaftlich untersucht werden, zeigen in die Zukunft.
Im nicht öffentlichen Teil hatten sich die Mitglieder des Vorstandes einstimmig für die Einrichtung einer Servicestelle Lückenindikation ausgesprochen. Die Delegierten aus den Bundesländern wählten einstimmig Christian Ufen aus Kronprinzenkoog zum neuen stellvertretenden Vorsitzender der Bundesfachgruppe Gemüsebau, nachdem der bisherige Stellvertreter Rudolf Behr aus Seevetal nicht für eine weitere Amtsperiode kandidierte.
Die mehrtägige Veranstaltung wurde mit Betriebsbesichtigungen bei den Gemüsebaubetrieben Gustav und Peter Hagge in Neuenkirchen (Freiland Kohlanbau) und Vitarom Frischgemüse, eine neue 20 ha Unterglasanlage mit Tomaten- und Paprikakulturen in Hemmingstedt abgerundet. Die 47. Herbsttagung soll vom 21. bis 24. November 2012 in Berlin stattfinden.
Quelle: ZVG
Veröffentlichungsdatum: 24.11.2011
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