Tunesiens Malteser Orange: einzigartig und Bio
BIO-Zitrusfrüchte in Tunesien - Ein Sektor im Aufschwung
Die Erkenntnis, dass biologischer Landbau die vielversprechendste Nische darstellt, um Qualität, Nachhaltigkeit und Exporterlöse der Erzeugnisse zu steigern, hat sich in Tunesien längst herumgesprochen. Die erfolgreichen Ergebnisse der Saison 2010 und die Ausblicke auf 2011 geben den Bio-Befürwortern in Landwirtschaft, Agro-Industrie und Politik voll und ganz recht.
Während Tunesien bei der Produktion von Bio-Olivenöl weltweit bereits den ersten Platz einnimmt, ist nun der Fruchtsektor auf dem besten Wege, diesem Beispiel zu folgen. Zahlreiche Aktivitäten und Initiativen zur Förderung von biologischer Landwirtschaft von staatlicher und privatwirtschaftlicher Seite schlagen sich bereits auf eine deutliche Steigerung der biologisch angebauten und zertifizierten Früchte nieder:

Die Einführung eines eigenen Labels „Bio Tunisia“, die Anerkennung der tunesischen Bio-Reglementierung durch die EU, Werbekampagnen und hohe Subventionen für Umstellung, Zertifizierung und Kontrollmaßnahmen sind nur einige Beispiele für die Unterstützung, Informations- und Bildungsangebote, die Produzenten durch die tunesische Regierung erhalten.
So überrascht es kaum, dass Tunesien im letzten Country Report der Oxford Business Group als „Schlüsselstandort ökologischer Landwirtschaft“ bezeichnet wird und den an der biologisch bewirtschafteten Fläche gemessenen zweiten Rang in Afrika und die 24ste Position weltweit einnimmt. Die mittlerweile beachtlichen 340 000 Hektar an biologisch bewirtschafteter Fläche sollen bis 2014 auf 500 000 erweitert werden.
Der Fruchtanbau in Tunesien:

Dank seiner geografischen Lage, den Bodeneigenschaften und klimatischen Bedingungen befindet sich Tunesien in einer privilegierten Position. Durch die zwei Jahrtausende andauernde Erfahrung im Obstanbau konnten verschiedene traditionelle und einzigartige Obstbaumvarietäten bewahrt und kultiviert werden. Dieses Kulturerbe ist zudem durch neue Arten erweitert und bereichert worden. So erstrecken sich auf über 2,2 Millionen Hektar Obstbäume auf einigen großen und vielen kleinbäuerlich organisierten Plantagen. Die Hauptanbauregion für Zitrusfrüchte ist die Halbinsel Cap Bon im Nordosten des Landes, aus der ca. 85% der nationalen Produktion stammen. Während Früchte wie Aprikosen, Pfirsiche, Granatäpfel, Birnen, Äpfel, Trauben und Feigen eher im Zentrum und im Norden des Landes wachsen, ist die Dattel in den Oasen Südtunesiens zuhause.
Da Zitruspflanzen und Dattelpalmen die wichtigsten Baumbestände für die Exportproduktion sind, wird bei diesen Arten die Umstellung auf ökologischen Landbau besonders gefördert, sodass bereits auf 1000 Hektar Dattelpalmen und 3200 Hektar an sonstigen Fruchtbäumen biologisch zertifizierte Früchte geerntet werden können. Vor allem die Produktion der biologischen Zitrusfrüchte soll nun konsequent ausgebaut werden. Sieben Produzenten haben den Zertifizierungsprozess erfolgreich durchlaufen und exportieren bereits Bio-Orangen und Zitronen.

Mit dem gestiegenen Bewusstsein des Potentials ökologischen Landbaus wächst die tunesische Fruchtproduktion durch Erschließung neuer landwirtschaftlicher Flächen seit Jahren stetig, aber in einem für Boden, Klima und Bevölkerung vernünftigem und nachhaltigem Maße. Daneben unterstützt ein staatliches Programm die Baum- und Bodenpflege bereits bestehender und neuer Orangenplantagen in der Region Cap-Bon. Gemäß den Anforderungen des Marktes werden der lückenlosen Nachverfolgbarkeit der Herkunft und der Kennzeichnung bei der Verpackung der Früchte große Bedeutung beigemessen. Zur Einrichtung solcher Systeme erhalten Produzenten technische Beratung und finanzielle Unterstützung durch die akkreditierten Kontrollinstitutionen.
Die Malteser Orange – geschätzt in Frankreich, unbekannt in Deutschland:
Als einziges Produktions- und Exportland ist Tunesien vor allem auf eine Sorte besonders stolz. Von vielen Kennern wird die Halbblutorangensorte „Maltaise“ als „Königin der Orangen“ und eine der süßesten Sorten geschätzt. Das einzige Anbaugebiet weltweit ist die Halbinsel Cap-Bon, wo diese Sorte nur durch die dort vorhandenen klimatischen Bedingungen in Kombination mit dem traditionellen Wissen der Produzenten seine volle Qualität entfalten kann. Neben dem typischen mittelgroßen Durchmesser, der ovalen Form und der sich leicht ablösbaren Schale überzeugt die „Maltaise“ vor allem mit ihrem ausgewogenem Geschmack, dem angenehmen Säuregehalt und ihrem zarten und saftigen Fruchtfleisch. Die Ernte, bei der die Orangen traditionell in Handarbeit gepflückt werden, beginnt Ende Januar und dauert bis Anfang April.

Neben den Tunesiern selbst wollen vor allem französische Konsumenten die Malteser Orange nicht missen und sind seit mehr als 50 Jahren Hauptabnehmer. Von Januar bis Mai 2010 konnte die Exportmenge um 15% auf 21 661 t erhöht werden. Der Durchschnittspreis beim Import blieb dabei mit 0.63€/kg auf dem gleichen Niveau wie im Vorjahr.
Doch viele tunesische Produzenten und deutsche Urlauber sind sich einig, dass es höchste Zeit ist, auch andere Liebhaber von Zitrusfrüchten in den Genuss der Malteser Orange kommen zu lassen. So haben sich Produzenten und Exportinstitutionen das Ziel gesetzt, ab 2011 verstärkt andere europäische Länder zu beliefern, vor allem den deutschen Markt. Zwei Exporteure, Bio Tunisie und Biolife, liefern bereits biologisch zertifizierte Malteser Orangen und andere Zitrusfrüchte. Die Anwesenheit einer Gruppe von Produzenten auf der Weltleitmesse des Fruchthandels FRUIT LOGISTICA im Februar 2011 in Berlin ist eine weitere Gelegenheit, dieser einzigartigen Sorte zu mehr Bekanntheit zu verhelfen.
Dieser Aufgabe stellen sich die tunesischen Produzenten gemeinsam mit dem tunesischen Verband Groupement Interprofessionnel des Fruits (GIFruits) und der Deutsch-Tunesischen Industrie- und Handelskammer (AHK Tunesien).
Für Fragen zum tunesischen Fruchtsektor und nähere Informationen zu Bezugsquellen, wenden Sie sich bitte an die AHK Tunesien oder das GIFruits:
Deutsch-Tunesische Industrie- und Handelskammer
Immeuble 'Le Dôme' - Rue du Lac Léman
1053 Les Berges du Lac, Tunesien
Tel.: 00216 - 71 965 280
http://tunesien.ahk.de
e.peiler@ahktunis.org
Groupement Interprofessionel des fruits
2 Rue Badi Ezzamen
Cite Mahrajène
1082 Tunis, Tunesien
www.gifruit.nat.tn
gifruitr@gifruit.nat.tn
Veröffentlichungsdatum: 26.10.2010
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