Konzentratindustrie ist kein Problemlöser
Das Strategieforum der Obstwirtschaft hat sich in seinem letzten Meeting in Gleisdorf mit der Situation am Industrieobstmarkt beschäftigt. Die Produzentenpreise von 3-6 Eurocent in der letzten Saison waren für den Produzenten jenseits jeder Wirtschaftlichkeit. Wenn eine Person 1 Tonne Pressobst aufsammelt so bekommt man dafür inklusive Transport zur Sammelstelle € 30,- (bis 60,- in besten Fall).
Nach Einschätzung von Experten wird sich dies in den nächsten Jahren nicht wesentlich verändern. Die Frage ist, warum ist dies strukturell bedingt?
Die europäische Konzentratindustrie glaubte, in einem besonders guten Schachzug ihre Einkaufspreise für ihre Rohware zu optimieren. Sie bauten in jenen Regionen neue Konzentratanlagen, wo zu diesem Zeitpunkt der Rohstoff Apfel besonders günstig zu haben war. Das Konzentrat war durch das kleinere Volumen problemlos über weitere Distanzen zu den Verbrauchern zu versenden.
Diese Neuinvestitionen brachten natürlich auch bei den Anlagenbauern für Konzentratanlagen einen Entwicklungsschub. Sie stellten hochwertige Anlagen her, die standardisiertes Konzentrat hervorbrachten. Nach diesem Investitionsschub war es nahe liegend, dass Anlagenbauer dieses Know-how weltweit weiterverkaufen. Weltweit wurden Anlagen gebaut, die standardisiertes Konzentrat auf gleichem Niveau herstellten. Nur ist in einzelnen Regionen der Welt der Rohstoff eben noch billiger als in Europa. Durch die problemlose Versendung von Konzentrat und durch die nicht besonders genaue Kennzeichnung am Endprodukt über die Herkunft ist es ohne weiteres möglich, dass zB. chinesisches Konzentrat im großen Ausmaß in einem Endprodukt einer europäischen Marke enthalten ist.
Die europäischen Konzentrathersteller stehen zwar mit ihren Anlagen in etwas billigeren Herkunftsregionen, ihr hergestelltes Produkt ist aber weltweit austauschbar. Somit ist der Wettbewerb auch für den Rohstoff weltweit gegeben.
Die Schlussfolgerung zu diesem Thema ist, dass die Konzentratindustrie in nächster Zeit nicht der Problemlöser unserer Produzenten für ihr Industrieobst sein wird, sondern maximal eine Entsorgerfunktion haben kann. Von dort her ist keine zusätzliche regionale Wertschöpfung zu erwarten. Wirkliche Wertschöpfung ist dort zu erwarten, wo sich der Bezug zur Regionalität wiederfindet und wo die weltweite Austauschbarkeit nicht gegeben ist. Erste Projekte in diese Richtung sind sehr viel versprechend.
Quelle: Fritz Prem, Kaindorf
Veröffentlichungsdatum: 09.02.2010
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